Die Ausgrabung am Pius-Parsch-Platz: Von frommen Absichten und Wehrmachtskondomen

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Die Floridsdorfer Kirche „Zum heiligen Josef“ ist vermutlich nicht nur Liebhabern der Arbeiten von Robert Ullmann, der die großen Apostelfiguren am Kirchenportal geschaffen hat, ein Begriff.  Als allerdings diesen Sommer eine Ausgrabung neben der Kirche zwecks Bau einer Garage bevorstand,  war es natürlich nicht die bestehende Kirche aus den 1930er Jahren, der das Augenmerk galt. Die Archäologie liebt es ja bekanntermaßen wortwörtlich tiefgründiger zu forschen – in diesem Fall eine „aufgelegte Sache“, oder nicht? Immerhin ist hinlänglich bekannt, dass es einen 1836 errichteten Vorgängerbau St. Jacob gegeben hat, dessen Abriss den heutigen Pius-Parsch-Platz erst zu Wege brachte. Sogar eine noch ältere Kapelle – Grundsteinlegung 1801, 1809 zumindest teilweise abgerissen (zu Gunsten eines französischen Batteriestandes), in Folge gänzlich demoliert – dürfte es gegeben haben.  Genug (im) Grund also, um sich mit den Untiefen des Platzes zu beschäftigen.

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Ein weiteres Soldatengrab der Schlacht von Aspern 1809

Autorin: Christine Ranseder

Kaum war unser Buch Napoleon in Aspern. Archäologische Spuren der Schlacht 1809 in der Druckerei, kam wieder ein Grab, das mit dieser Schlacht in Verbindung steht, zu Tage. Das ist eigentlich nicht weiter verwunderlich, denn die Erdarbeiten auf dem Areal der Seestadt Aspern sind noch lange nicht abgeschlossen.

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Das Ende ist nah …

Autorin: Christine Ranseder

Der letzte Teil der Serie zur Urgeschichte in Wien ist der Latènezeit (Jüngere Eisenzeit, 500/400 bis 15 v. Chr.) gewidmet. In der der Zeit der Kelten, kam es – ausgehend vom Rheinland (Gebiet von Hunsrück und Eifel) – zu Neuerungen. Die kleine, elitäre Herrscherschicht der älteren Eisenzeit wurde von der breiteren Schicht eines Kriegeradels abgelöst. Die neuen Herren vertieften ihrerseits die Kontakte mit den mediterranen Kulturen. Wanderungen der Kelten in die Mittelmeergebiete brachten neues Gedankengut, Handelsgüter und neue Technologien in den mitteleuropäischen Raum. Dazu gehörten die schnelldrehende Töpferscheibe, die Münzprägung und die Verwendung des Eisens für landwirtschaftliche Geräte. Keltische Handwerker, unter denen vor allem Feinschmiede sehr geschätzt wurden, schufen einen neuen Kunststil, der sich durch stark abstrahierte Menschen- und Tierdarstellungen sowie durch Zirkelornamentik auszeichnet.

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Die neue Üppigkeit

Autorin: Christine Ranseder

Im 8. Jahrhundert v. Chr.  entstand – basierend auf urnenfelderzeitlichen Grundlagen – die Hallstattkultur (Ältere Eisenzeit, 800/750 bis 500/400 v. Chr.). Sie erstreckte sich fast über das gesamte Mitteleuropa und wurde durch die Kontakte mit der griechischen und der etruskischen Kultur sowie zu den östlichen Steppenkulturen geprägt. Aus archäologischer Sicht lassen sich mehrere Kulturkreise und -gruppen unterscheiden, in denen die Anregungen aus dem Mittelmeerraum in unterschiedlicher Intensität aufgegriffen wurden. Archäologisch sind diese Beziehungen am besten an den Hinterlassenschaften der gesellschaftlichen Elite zu fassen, zu deren Statussymbolen – neben Importen – aufwendig verziertes Trinkgeschirr, Schutzwaffen, vierrädrige Wagen und Pferde als Reittiere zählten.

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Archäologie an der Erdbergstraße 4

Autoren: Constance Litschauer, Martin Mosser

Können Sie sich noch an den ersten Blogbeitrag zu unserem jüngsten archäologischen Projekt erinnern? Heute wollen wir nämlich auf den damals formulierten Fragenkatalog Bezug nehmen und auf diese Weise die Grabung ein letztes Mal Revue passieren lassen.

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Zuzug in der Spätbronzezeit?

Autorin: Christine Ranseder

Diese Woche pausiert die Berichterstattung zur aktuellen Ausgrabung. Stattdessen geht es mit der Serie zur Urgeschichte auf Wiener Boden weiter, die mittlerweile in der Spätbronzezeit (um 1300 bis 800/750 v. Chr.) angekommen ist. Sie wird wegen der Sitte, die Toten zu verbrennen und in Urnen zu bestatten, auch Urnenfelderzeit genannt. Basierend auf einem dichten Netz aus Kontakten, einem wirtschaftlichen Austausch und gegenseitigen Einflüssen entstand ein Kulturkomplex, der sich über weite Teile Europas erstreckte. Niederösterreich, das Burgenland, Teile der Steiermark, Südmähren, die Südwest-Slowakei und Westungarn bildeten eine weitgehend geschlossene kulturelle Einheit. Im Wiener Raum lässt die größere Anzahl archäologischer Fundstellen einen Bevölkerungsanstieg vermuten.

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Mittendrin und doch an der Peripherie

Autorin: Christine Ranseder

In der Früh- und Mittelbronzezeit (um 2200 bis um 1300 v. Chr.) scheint das Interesse, sich im Wiener Raum niederzulassen, nicht besonders groß gewesen zu sein. Die archäologischen Belege für die Anwesenheit von Menschen sind spärlich, das Spektrum ist jedoch groß. Es gibt von allem etwas: Einzelfunde, einige Gräber und auch Gruben, die auf Siedlungsstellen hinweisen. Das mag am Forschungsstand liegen. Es kann aber auch damit zu tun haben, dass das Gebiet im Schnittpunkt mehrerer Kulturgruppen lag.

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Aus der Wundertüte: Ein Löffel

Autorin: Christine Ranseder

Manchmal finden BearbeiterInnen in Fundsackerln Dinge, die sie nicht erwarten würden – oder die sie besonders erfreuen. Ihnen ist die neue Rubrik Aus der Wundertüte gewidmet. Den Anfang macht ein Löffel, der mir beim Katalogisieren und Fotografieren der Funde vom St.-Bartholomäus-Platz in Hernals (Wien 17) in die Hände fiel.

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Kupfer belebt den Handel

Autorin: Christine Ranseder

Der dritte Blog in der Serie zur Urgeschichte auf Wiener Boden ist dem Spätneolithikum (Kupferzeit, um 4000 bis um 2200 v. Chr.) gewidmet. In dieser doch recht langen Zeitspanne begann der zivilisatorische Entwicklungsstand auseinanderzudriften. Man könnte fast von einem Europa der zwei Geschwindigkeiten sprechen. Der Wiener Raum lag eher im Abseits, das bedeutete aber keinesfalls dass hier gar nichts los war.

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Heimat bist du großer Töchter …!

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

300 Jahre trüge Maria Theresia dieser Tage auf dem unzweifelhaft ob dieser Last etwas krummen Rücken – Grund genug den diesjährigen Tag des Denkmals ihr und anderen „großen“ Töchtern“ des Landes im weiteren Sinne zu widmen. Es  ist sicher ein edles Unterfangen, sich mit historisch relevanten Vertreterinnen des XX-Chromosomen-Arrangements auseinanderzusetzten. Es stellt sich allerdings schnell die Frage, was und wie viel die Archäologie dazu beitragen kann. Und damit sind wir auch schon mitten drin im Vergnügen, oder „in medias res“, wie die römische Matrone am Stand der Stadtarchäologie Wien vor dem Römermuseum vermutlich sagen würde. Herangehensweisen an dieses Thema gibt es viele, die Stadtarchäologie hat zwei recht unterschiedliche Zugänge gewählt.

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