Gaben an die Wöchnerin

Autorin: Christine Ranseder

Manchmal kommen bei Ausgrabungen auch Funde ans Licht, die unmittelbar an wichtige Ereignisse im Lebenszyklus des Menschen erinnern. Bruchstücke einer Wöchnerinnenschüssel, die in der Kundmanngasse 21 (Wien 3) zu Tage kamen, zählen zu diesen Gegenständen mit besonderer Bedeutung.

Ein Kind zur Welt zu bringen ist eine risikoreiche Höchstleistung, die in der Vergangenheit oft tödlich endete. Für die Mutter galt es, nach der Geburt auch das Wochenbett zu überleben und wieder zu Kräften zu kommen. Während dieser Schonfrist sollte sie das Bett hüten und erhielt zur Stärkung nahrhafte Suppen. Vor allem im 17. und 18. Jahrhundert wurden die Mahlzeiten gerne in einer Henkelschüssel, deren Deckel als Teller verwendet werden konnte, gereicht. Diese praktischen Gefäße waren meist ein Geschenk der künftigen Taufpaten des Neugeborenen.

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Funde aus dem Gusshaus

Autorin: Ingrid Mader

Vor einigen Wochen wurde hier ein kleines, aber feines Büchlein zum Thema „Das Gusshaus auf der Wieden“ vorgestellt. Wie der geneigte Leser erfahren konnte, behauste das Grundstück (heute: 4, Gusshausstraße 25) über die Jahrhunderte ein Gusshaus (Grundsteinlegung 1763), die k. k. Kunsterzgießerei (eingerichtet 1861), das Atelier und Wohnhaus von Hans Makart (nach Wien berufen 1869), einen Teil des Elektrotechnischen Instituts (ab 1900 und 1929) und den Bauhof der Technischen Universität. Die verbliebene Bausubstanz wird gegenwärtig in einen Neubau für Mikro- und Nanostrukturen integriert. Nachdem die unterschiedlichen Nutzungen auch unterschiedliche Räumlichkeiten benötigten, wurde immer wieder umgebaut und adaptiert. Das hat sich natürlich nicht nur in den Befunden niedergeschlagen sondern auch in den Funden.
Also, sei an dieser Stelle ein kurzer Überblick über einige Fundgattungen gegeben.

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Gebechert wurde immer!

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Da soll noch einmal jemand sagen, dass Archäologen nicht am Pulsschlag des täglichen Lebens arbeiten! Gut, ich gebe zu, „unser“ tägliches Leben ist manchmal schon ein paar Jahrhunderte alt, aber dafür oft umso „alltäglicher“. Ein Beispiel gefällig?

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Gewickelt, nicht gegossen

Autorin: Christine Ranseder

Wer bei Stecknadeln als erstes an fleißige Schneider denkt, irrt. Gewiss, für diese Berufsgruppe waren neben den Nähnadeln auch Stecknadeln unentbehrlich. In Summe stellten jedoch Frauen aller Gesellschaftsschichten den größeren Kundenkreis – und nicht weil sie so gerne handarbeiteten.

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Flaschen mit reaktionsschnellem Inhalt

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Manch eine unschuldigst getroffene Interpretation hat eine selbstmörderische Konnotation: Als vor einigen Jahren bei einer Ausgrabung im Einzugsbereich des Wiener Neustädter Kanals Fragmente von zwei großen Flaschen gefunden wurden, waren die Assoziationen auf meiner Seite unschuldig genug: Vorratsbehälter für Essig, Öl oder ähnliches – so dachte ich damals. Körperverletzend-ätzend weit gefehlt!

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Bein statt Plastik

Autorin: Christine Ranseder

Liebhaber von Kunststoff können sich glücklich preisen. Die Industrie des 21. Jahrhunderts ist dem Plastik verfallen. Vorbei sind die Zeiten als kleine Süßigkeiten in hübsches Papier gewickelt waren. Noch bedauerlicher ist die Verarmung der Materialvielfalt bei den Knöpfen. Werfen Sie einmal einen Blick auf die Verschlüsse an textiler Massenware. Da macht das Wühlen in der Knopfkiste nur noch Spaß, wenn sich Erbstücke von der Großmutter unter das Plastik-Einerlei mischen.
Dabei ergibt schon kurzes Nachdenken eine stattliche Liste an Materialien, die sich zur Knopfherstellung eignen und zum Teil auch heute noch für besondere Exemplare verwendet werden: Glas, Metall, Horn und Geweih, Holz – ohne und mit textiler Veredelung (Posamentenknöpfe), Porzellan, Leder, Steinnuss, Perlmutter, Kokosnussschalen … Doch wären Ihnen Knochen eingefallen?

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Blumen gegen den Winterblues im Frühling?

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Blumentöpfe gehören nicht gerade zu den auffälligsten und aufsehenerregendsten Funden, die man sich vorstellen kann. Zumindest auf den ersten Blick will bei den meisten Betrachtern kein Funke überspringen. Man muss sich schon auf die Details einlassen. Welche Details ich meine?

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Das Geheimnis der Töpfe

Autorin: Christine Ranseder

Der Grabung im Bereich der Hernalser Hauptstraße 59–63 (Wien 17) sind nicht nur interessante Funde sondern auch überraschende Befunde zu verdanken. Bei der Sichtung der Grabungsdokumentation – darunter hunderte Fotos – fielen mir vier Gefäße auf, die aufrecht stehend sorgfältig in das Erdreich eingegraben waren. Zwei von ihnen befanden sich in Begleitung eines Deckels, die anderen beiden standen einsam umher. Mit Abfall wird normalerweise sorgloser umgegangen, es fand also eine wohlüberlegte Deponierung statt. So weit so gut, doch warum waren die Gefäße – abgesehen von dem im Lauf der Zeit hineingerieselten Erdreich – leer?

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Durch diese hohle Römerstraße muss er kommen …

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Zwei Randfragmente des späten 8./frühen 9. Jahrhundert aus der Hernalser Hauptstraße 59–63 (Wien 17).

Der Teufel lauert bekanntlich immer im Dickicht – pardon: Detail. So auch hier. Hier? Das heißt in diesem Fall: das keramische Fundmaterial der Ausgrabung Hernalser Hauptstraße 59–63. Der Teufel? Zwei unscheinbare kleine Randfragmente – unter uns gesagt: etwas unattraktiv – jedenfalls verglichen mit anderen Objekten aus dieser Grabung, die wir Ihnen auf Grund ihrer relativen Schönheit in Folge noch präsentieren werden. Aufgrund der Größe und des Einzelgängerstatus jedenfalls waren die beiden kleinen Kerlchen zwischen römischen Altstücken und spätmittelalterlicher Keramik gut versteckt und leicht zu übersehen. Es bedurfte schon altmodischer, mittlerweile etwas unpopulär gewordener Grundlagenarbeit (stures und penibles Sichten aller Stücke), um sie zu enttarnen. Keine Sorge, das wird nicht (nur) ein Plädoyer für den Einzelscherben, das Ernstnehmen von (auch kleinen) Funden. Ich habe tatsächlich auch eine Geschichte zu erzählen.

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