Recycling im 15. Jahrhundert

Autorin: Renate Kohn (Österreichische Akademie der Wissenschaften)

Wie häufig ist es doch so, dass wir glauben, etwas völlig neu erfunden zu haben, und plötzlich draufkommen, dass es das schon seit Jahrhunderten gibt. Dass dies auch für das so modern anmutende Phänomen „Recycling“ gilt, soll hiermit bewiesen werden:
Bei den Ausgrabungen am Stephansplatz kamen mehrere Steinplatten zum Vorschein, die sich durch ihre aufwändigere Gestaltung vom umliegenden Material abheben. Sie zeigen eingravierte Buchstabenfolgen und Zeichnungen. Außerdem bilden sie so etwas wie ein Ensemble, relativ knapp unterhalb des Platzniveaus direkt anschließend an die Außenmauern der Barbarakapelle. Die meisten von ihnen sind sogar halb unter die Mauern geschoben. Während der Grabungsarbeiten wirkten sie wie ein Sockel für die Kapelle, sie bilden also die oberste Lage ihrer Fundamente. Doch wieso sind sie so schön verziert, wenn sie ohnehin nie jemand zu sehen bekommen sollte?

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Es muss nicht immer „bodenfrisch“ sein!

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

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Nicht immer sind es die neuen, „bodenfrischen“ Funde, mit denen man sich in der Hoffnung auf Antworten auseinandersetzt. In Städten sind Not-/Rettungsgrabungen nun einmal die Regel, was oft dazu führt, dass man lange wartet, bis ein Areal, das möglicherweise Fragen beantworten kann, (wieder) in Angriff genommen wird. Die Alternative dazu ist es dann manchmal „tiefer“ in der Vergangenheit, soll heißen den Altgrabungsbeständen, zu suchen und sich bereits bekannte Funde unter neuen Gesichtspunkten anzusehen.

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