Blumen gegen den Winterblues im Frühling?

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Blumentöpfe gehören nicht gerade zu den auffälligsten und aufsehenerregendsten Funden, die man sich vorstellen kann. Zumindest auf den ersten Blick will bei den meisten Betrachtern kein Funke überspringen. Man muss sich schon auf die Details einlassen. Welche Details ich meine?

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Das Geheimnis der Töpfe

Autorin: Christine Ranseder

Der Grabung im Bereich der Hernalser Hauptstraße 59–63 (Wien 17) sind nicht nur interessante Funde sondern auch überraschende Befunde zu verdanken. Bei der Sichtung der Grabungsdokumentation – darunter hunderte Fotos – fielen mir vier Gefäße auf, die aufrecht stehend sorgfältig in das Erdreich eingegraben waren. Zwei von ihnen befanden sich in Begleitung eines Deckels, die anderen beiden standen einsam umher. Mit Abfall wird normalerweise sorgloser umgegangen, es fand also eine wohlüberlegte Deponierung statt. So weit so gut, doch warum waren die Gefäße – abgesehen von dem im Lauf der Zeit hineingerieselten Erdreich – leer?

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Aus der Wundertüte: Ein Fragment einer Ofenkachel

Autorin: Christine Ranseder

Es mag sexistisch und politisch nicht korrekt sein: Der erste Blick auf ein Kachelfragment, das am St.-Bartholomäus-Platz (Wien 17) gefunden wurde, wandert auf den Busen der dargestellten Figur. Der – möglicherweise mit seinen Gedanken anderweitig weilende – Töpfer betonte diesen durch eine plastische Verzierung, die an in Rüschen gelegte Bänder erinnert. Oder soll es sich um das durch Einschnitte im Stoff des Oberteils gezogene Hemd handeln? Welches modische Detail dem Handwerker auch vorschwebte, das Bruchstück einer Blattkachel zeigt unzweifelhaft den Oberkörper einer Frau. Diese banale Feststellung ist im Zusammenhang mit der Datierung des Fragments nicht so abwegig. Tiefe rechteckige Ausschnitte und reich gefältelte Hemden waren in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts typisch für die Kleidung beider Geschlechter.

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Fliesen bringen Farbe ins Leben

Autorin: Christine Ranseder

Gemusterte Fliesen aus der Zeit von ca. 1860 bis 1920 sind in Wien ein schwindendes Kulturgut. Den Abriss von Häusern überleben sie nur selten, da historische Baustoffe kaum wiederverwendet werden. Auch im Zuge der Sanierung von alten Gebäuden werden die vorhandenen originalen Fliesen oft durch moderne Produkte in eintönigem Weiß oder Beige ersetzt. Fast unbemerkt geht diese Erosion des Bestandes, der kaum erforscht ist, vonstatten. Fehlendes Bewusstsein für den Wert der materiellen Kultur einer Vergangenheit, die nicht allzu weit zurück liegt, ist jedoch nichts Neues. Massive Verluste an historischer Bausubstanz waren europaweit bereits im 20. Jahrhundert zu beklagen – nicht nur durch die von zwei Weltkriegen verursachten Schäden, sondern auch durch rücksichtslose Modernisierungen aller Art. Es verwundert daher kaum, dass im städtischen Umfeld bei Ausgrabungen gelegentlich auch sehr junge Objekte, wie die erwähnten Fliesen, geborgen werden. Einige attraktive Exemplare, die von verschiedenen Fliesenböden stammen, befanden sich im Fundmaterial vom Pius-Parsch-Platz.

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Spargelglocken: Die Kunst Gemüse zu quälen

Autorin: Christine Ranseder

Spargel: Bleich soll er sein, zart im Biss und mild im Geschmack. Hohe Anforderungen an ein in seinem Aussehen wenig ansprechendes Gemüse. Sich selbst überlassen, reckt sich der Spargel gerne grün und ein bisschen wild im Wuchs der Sonne entgegen. Erst der Mensch diszipliniert ihn zur farblosen strammen Stange. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man bedeckt die Pflanzen mit Dämmen aus Erde oder man setzt über die Triebe, kaum lugen sie aus der Erde hervor, tönerne Glocken. Die Oberteile zweier solcher Spargelglocken kamen bei der Ausgrabung am Pius-Parsch-Platz zutage.

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Aus der Wundertüte: Ein Löffel

Autorin: Christine Ranseder

Manchmal finden BearbeiterInnen in Fundsackerln Dinge, die sie nicht erwarten würden – oder die sie besonders erfreuen. Ihnen ist die neue Rubrik Aus der Wundertüte gewidmet. Den Anfang macht ein Löffel, der mir beim Katalogisieren und Fotografieren der Funde vom St.-Bartholomäus-Platz in Hernals (Wien 17) in die Hände fiel.

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Gaumenfreuden?

Autorin: Christine Ranseder

Fundsackerl sind wie Überraschungstüten: man weiß nie, was sich in ihnen findet. In diesem Fall verbargen sich zwischen den Scherben zwei Muschelschalen. Es dürfte sich um Austern handeln – aber das Fundmaterial aus der Währinger Straße 25A ist so „frisch“, dass eine nähere Bestimmung durch Experten noch aussteht. Die erste Frage, die sich mir als Archäologin stellt, ist weniger biologischer als kulturhistorischer Natur. Sind die beiden Muschelschalen die kümmerlichen Reste eines Luxusessens oder können sie als Hinweis auf die Herstellung von Perlmutterknöpfen gewertet werden?

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Statussehnsucht?

Autorin: Christine Ranseder

Das kleine Fundmaterial aus der Währinger Straße 25A verleitet mich zwar nicht zum begeisterten Gluckern, es ist aber eine nette Abwechslung und willkommenes Augenfutter. Die Keramikbruchstücke zeigen ein erfreulich vielfältiges Spektrum, das über die zumeist dominierende Kategorie „Topf“ hinausgeht. Offensichtlich wurde hier auch zu Bruch gegangenes Tischgeschirr entsorgt, von dem sich die einstigen Benutzer unter anderem visuelle Stimuli erwartet hatten. Neben Malhornware und Fragmenten mit Träufeldekor fand sich sogar eine Scherbe von Steinzeug nach „Westerwälder Art“, das in Fundmaterial aus Wien relativ selten aufscheint. Aber wie bereits von meiner Kollegin Ingeborg Gaisbauer angekündigt, soll es zunächst um die Keramik mit blauer Bemalung gehen.

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Von Schönheiten und Kochtöpfen

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Schönheit soll ja generell im Auge des Betrachters liegen. Ganz deutlich wird das auch dann, wenn man sich mit Archäologen unterhält, die auf die Bearbeitung von keramischem Fundmaterial spezialisiert sind. Da kann es schon vorkommen, dass auf den ersten Blick Unattraktives aus gebranntem Ton in den höchsten Tönen gepriesen und mit überschwänglicher Zuwendung bedacht wird. Oft genug ist dieses Übermaß an Interesse leicht kommunizierbar, vor allem dann, wenn das betreffende Stück etwas besser erhalten ist als üblicherweise. Die Begeisterung über Daumennagel große Scherben hält sich auch bei Archäologen gelegentlich in Grenzen. Dass „etwas mehr“ an Scherben durchaus erfreulich sein kann, zeigte sich sehr schön, bei einigen kleinen aber feinen Fundposten aus der Währingerstraße 25a, die bei einer kleinen Ausgrabung  gefunden wurden.

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