freigelegt

Nachlese zur Ausgrabung in der Kundmanngasse

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Erinnern Sie sich noch an die Ausgrabung Kundmanngasse 21 (Wien 3)? Im letzten Herbst wurden der Fortgang der Grabung und die Ergebnisse in vier Blogbeiträgen laufend kommuniziert. Sogar ein Fragenkatalog wurde angelegt und schlussendlich – im vierten Blogbeitrag – auch beantwortet. Jetzt sind wir „hinter den Kulissen“ angekommen, die Fundgattungen sind feinsäuberlich sortiert, die Keramik ist gewaschen. Zeit für ein „Frage- und Antwortspiel“ aus Sicht des Materialbearbeiters.

Nachlese zur Ausgrabung in der Kundmanngasse weiterlesen

Ein Topferl fürs Gackerl?

Autorin: Christine Ranseder

Für alle, die des Wienerischen nicht mächtig sind: ein Nachttopf. Denn um die Bruchstücke eines solchen handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit. Für diese Funktionszuweisung sprechen der elegant nach außen gebogene Rand und dessen Verzierung an der Innenseite. Gefunden wurden die Bruchstücke des an das Ende des 19. Jahrhunderts datierenden, unentbehrlichen Gefäßes am Pius-Parsch-Platz (Wien 21).

Ein Topferl fürs Gackerl? weiterlesen

Fliesen bringen Farbe ins Leben

Autorin: Christine Ranseder

Gemusterte Fliesen aus der Zeit von ca. 1860 bis 1920 sind in Wien ein schwindendes Kulturgut. Den Abriss von Häusern überleben sie nur selten, da historische Baustoffe kaum wiederverwendet werden. Auch im Zuge der Sanierung von alten Gebäuden werden die vorhandenen originalen Fliesen oft durch moderne Produkte in eintönigem Weiß oder Beige ersetzt. Fast unbemerkt geht diese Erosion des Bestandes, der kaum erforscht ist, vonstatten. Fehlendes Bewusstsein für den Wert der materiellen Kultur einer Vergangenheit, die nicht allzu weit zurück liegt, ist jedoch nichts Neues. Massive Verluste an historischer Bausubstanz waren europaweit bereits im 20. Jahrhundert zu beklagen – nicht nur durch die von zwei Weltkriegen verursachten Schäden, sondern auch durch rücksichtslose Modernisierungen aller Art. Es verwundert daher kaum, dass im städtischen Umfeld bei Ausgrabungen gelegentlich auch sehr junge Objekte, wie die erwähnten Fliesen, geborgen werden. Einige attraktive Exemplare, die von verschiedenen Fliesenböden stammen, befanden sich im Fundmaterial vom Pius-Parsch-Platz.

Fliesen bringen Farbe ins Leben weiterlesen

Spargelglocken: Die Kunst Gemüse zu quälen

Autorin: Christine Ranseder

Spargel: Bleich soll er sein, zart im Biss und mild im Geschmack. Hohe Anforderungen an ein in seinem Aussehen wenig ansprechendes Gemüse. Sich selbst überlassen, reckt sich der Spargel gerne grün und ein bisschen wild im Wuchs der Sonne entgegen. Erst der Mensch diszipliniert ihn zur farblosen strammen Stange. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man bedeckt die Pflanzen mit Dämmen aus Erde oder man setzt über die Triebe, kaum lugen sie aus der Erde hervor, tönerne Glocken. Die Oberteile zweier solcher Spargelglocken kamen bei der Ausgrabung am Pius-Parsch-Platz zutage.

Spargelglocken: Die Kunst Gemüse zu quälen weiterlesen

Recycling im 15. Jahrhundert

Autorin: Renate Kohn (Österreichische Akademie der Wissenschaften)

Wie häufig ist es doch so, dass wir glauben, etwas völlig neu erfunden zu haben, und plötzlich draufkommen, dass es das schon seit Jahrhunderten gibt. Dass dies auch für das so modern anmutende Phänomen „Recycling“ gilt, soll hiermit bewiesen werden:
Bei den Ausgrabungen am Stephansplatz kamen mehrere Steinplatten zum Vorschein, die sich durch ihre aufwändigere Gestaltung vom umliegenden Material abheben. Sie zeigen eingravierte Buchstabenfolgen und Zeichnungen. Außerdem bilden sie so etwas wie ein Ensemble, relativ knapp unterhalb des Platzniveaus direkt anschließend an die Außenmauern der Barbarakapelle. Die meisten von ihnen sind sogar halb unter die Mauern geschoben. Während der Grabungsarbeiten wirkten sie wie ein Sockel für die Kapelle, sie bilden also die oberste Lage ihrer Fundamente. Doch wieso sind sie so schön verziert, wenn sie ohnehin nie jemand zu sehen bekommen sollte?

Recycling im 15. Jahrhundert weiterlesen

20 Jahre Fundort Wien – Ein erfreuliches Jubiläum

Autorin: Ute Stipanits

Fundort Wien, der Jahresbericht der Stadtarchäologie Wien, erscheint nun schon zum zwanzigsten Mal. Einband und Layout mögen sich geringfügig geändert haben, im Wesentlichen ist er aber seinem farbenfrohen Auftreten und dem übersichtlich nach Aufsätzen und Fundchronik geordneten Inhalt treu geblieben. Hier wird fündig, wer sich für die Vergangenheit Wiens interessiert, gleichviel ob aus den historisch-archäologischen Wissenschaften kommend, der Touristikbranche oder dem Laienpublikum. Wie groß der Kreis der archäologischen Fangemeinde in Wien ist, zeigt sich immer wieder am regen Besucherstrom bei unseren Ausgrabungen. Daher sind wir bemüht, sehr zeitnah eine erste Zusammenfassung unserer Ergebnisse vorzulegen. Eine vollfarbig gehaltene E-Book-Version ermöglicht darüber hinaus eine kostengünstige Themenauswahl nach individuellen Bedürfnissen.

20 Jahre Fundort Wien – Ein erfreuliches Jubiläum weiterlesen

Die Ausgrabung am Pius-Parsch-Platz: Von frommen Absichten und Wehrmachtskondomen

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Die Floridsdorfer Kirche „Zum heiligen Josef“ ist vermutlich nicht nur Liebhabern der Arbeiten von Robert Ullmann, der die großen Apostelfiguren am Kirchenportal geschaffen hat, ein Begriff.  Als allerdings diesen Sommer eine Ausgrabung neben der Kirche zwecks Bau einer Garage bevorstand,  war es natürlich nicht die bestehende Kirche aus den 1930er Jahren, der das Augenmerk galt. Die Archäologie liebt es ja bekanntermaßen wortwörtlich tiefgründiger zu forschen – in diesem Fall eine „aufgelegte Sache“, oder nicht? Immerhin ist hinlänglich bekannt, dass es einen 1836 errichteten Vorgängerbau St. Jacob gegeben hat, dessen Abriss den heutigen Pius-Parsch-Platz erst zu Wege brachte. Sogar eine noch ältere Kapelle – Grundsteinlegung 1801, 1809 zumindest teilweise abgerissen (zu Gunsten eines französischen Batteriestandes), in Folge gänzlich demoliert – dürfte es gegeben haben.  Genug (im) Grund also, um sich mit den Untiefen des Platzes zu beschäftigen.

Die Ausgrabung am Pius-Parsch-Platz: Von frommen Absichten und Wehrmachtskondomen weiterlesen

Ein weiteres Soldatengrab der Schlacht von Aspern 1809

Autorin: Christine Ranseder

Kaum war unser Buch Napoleon in Aspern. Archäologische Spuren der Schlacht 1809 in der Druckerei, kam wieder ein Grab, das mit dieser Schlacht in Verbindung steht, zu Tage. Das ist eigentlich nicht weiter verwunderlich, denn die Erdarbeiten auf dem Areal der Seestadt Aspern sind noch lange nicht abgeschlossen.

Ein weiteres Soldatengrab der Schlacht von Aspern 1809 weiterlesen

Das Ende ist nah …

Autorin: Christine Ranseder

Der letzte Teil der Serie zur Urgeschichte in Wien ist der Latènezeit (Jüngere Eisenzeit, 500/400 bis 15 v. Chr.) gewidmet. In der der Zeit der Kelten, kam es – ausgehend vom Rheinland (Gebiet von Hunsrück und Eifel) – zu Neuerungen. Die kleine, elitäre Herrscherschicht der älteren Eisenzeit wurde von der breiteren Schicht eines Kriegeradels abgelöst. Die neuen Herren vertieften ihrerseits die Kontakte mit den mediterranen Kulturen. Wanderungen der Kelten in die Mittelmeergebiete brachten neues Gedankengut, Handelsgüter und neue Technologien in den mitteleuropäischen Raum. Dazu gehörten die schnelldrehende Töpferscheibe, die Münzprägung und die Verwendung des Eisens für landwirtschaftliche Geräte. Keltische Handwerker, unter denen vor allem Feinschmiede sehr geschätzt wurden, schufen einen neuen Kunststil, der sich durch stark abstrahierte Menschen- und Tierdarstellungen sowie durch Zirkelornamentik auszeichnet.

Das Ende ist nah … weiterlesen

Die neue Üppigkeit

Autorin: Christine Ranseder

Im 8. Jahrhundert v. Chr.  entstand – basierend auf urnenfelderzeitlichen Grundlagen – die Hallstattkultur (Ältere Eisenzeit, 800/750 bis 500/400 v. Chr.). Sie erstreckte sich fast über das gesamte Mitteleuropa und wurde durch die Kontakte mit der griechischen und der etruskischen Kultur sowie zu den östlichen Steppenkulturen geprägt. Aus archäologischer Sicht lassen sich mehrere Kulturkreise und -gruppen unterscheiden, in denen die Anregungen aus dem Mittelmeerraum in unterschiedlicher Intensität aufgegriffen wurden. Archäologisch sind diese Beziehungen am besten an den Hinterlassenschaften der gesellschaftlichen Elite zu fassen, zu deren Statussymbolen – neben Importen – aufwendig verziertes Trinkgeschirr, Schutzwaffen, vierrädrige Wagen und Pferde als Reittiere zählten.

Die neue Üppigkeit weiterlesen