Druckfrisch: Fundort Wien

Autorin: Lotte Dollhofer

Unsere Reihe „Fundort Wien. Berichte zur Archäologie“ ist um einen Band reicher! Auch dieser Jahresbericht spiegelt nur allzu deutlich die vielgestaltigen Aufgabenbereiche der Stadtarchäologie Wien wider – sowohl das thematische wie auch das zeitliche Spektrum betreffend. Hier die Schwerpunktthemen in aller Kürze:

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Dem Wienfluss auf den Grund gehen – Ausgrabungen auf dem Karlsplatz

Autorin: Heike Krause

Seit einigen Wochen gräbt die Stadtarchäologie Wien auf dem Karlsplatz. Auftraggeber ist diesmal das Wien Museum. Untersucht wird das Areal der künftigen Plaza des neuen Museums. Fachgerecht sind mittlerweile mehr als drei Meter Schicht für Schicht abgetragen worden. Gerade waren mehrere Straßenoberflächen des 19. Jahrhunderts zum Vorschein gekommen. Jetzt geht es weiter in die Tiefe. Gesucht wird das Südufer des Wienflusses, dessen Bett einst unter dem Museumsgebäude lag. Auch Funde aus der Römerzeit oder dem Mittelalter können erwartet werden.

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Ein ewiger Hotspot – der Karlsplatz

Autorin: Constance Litschauer

Der Standort Karlsplatz und die Tatsache, dass die jüngsten Untersuchungen der Stadtarchäologie im Vorfeld zu den Erneuerungsmaßnahmen des Wien Museums stattfinden, lassen es schon vermuten: diesmal läuft alles etwas anders ab als sonst. Allzu oft bietet sich im Normalfall nämlich nicht die Gelegenheit, auch die jüngere Vorverbauung in dem Ausmaß zu dokumentieren, wie es uns diesmal möglich ist. Bestes Beispiel dafür: die bereits in den Medien vorgestellten alten Verkaufshallen (1922–1934).
Bevor wir daher den – archäologisch gesehen – zeitlichen Deckel zum 18. Jahrhundert auf der Grabungsfläche abtragen, wollen auch wir uns auf unserer Homepage dem Fundplatz widmen. Es ist an der Zeit ein erstes kurzes Resümee zu ziehen.

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Nicht militärisch, nicht zivil – die römischen „canabae legionis“

Autorin: Ursula Eisenmenger

Damit ist die Lagervorstadt gemeint, die sich um das Legionslager schmiegt. Wer dort lebte und arbeitete, stand unter der Befehlsgewalt des Lagerkommandanten, des praefectus castrorum.
Es sind die castra, die großen Standlager, die oft mit einer solchen Ummantelung versehen waren. Ab der römischen Kaiserzeit erbaut, kurbelten sie die Wirtschaft an: Wo römisches Militär stationiert war, da tauchten auch die Händler auf, deren kleine Verkaufsbuden canaba, -ae genannt wurden. Mit der Zeit mutierten sie zur militärisch verwalteten Lagervorstadt canabae legionis. Die sog. Leugenzone  intra leugam zog die Grenze. Es bedurfte der Zustimmung des Präfekten, wer sich dort niederlassen wollte. Dass allerdings aus dem Lateinischen canabae eine deutsche „Kneipe“ entstanden sein soll, ist nur ein Gerücht!
Eine echte Zivilsiedlung begründet schließlich eine Siedlungsdualität, wie sie schon in Carnuntum beobachtet wurde. In Vindobona, im 3. Wiener Gemeindebezirk am Rennweg gelegen, ist das jedoch eine andere Geschichte.

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Reich´ mir deine Tatze

Autorin: Christine Ranseder

Wer aufmerksam durch Wien spaziert wird ihnen oft begegnen: Greife. Sie schmücken Fassaden und stützen Laternen, zieren Treppengeländer und bereichern den Dekor von Innenräumen. Die Liebe zu dem schmucken Fabeltier erreichte im 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Dass der Greif in Wien bereits im Spätmittelalter als symbolträchtige Zier geschätzt wurde, belegt ein Streufund vom St.-Bartholomäus-Platz.

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Der Nachttopf: Eine kleine Lösung für ein großes Problem

Autorin: Christine Ranseder

Luxuriöse Annehmlichkeiten auf der Toilette sind ein relativ junges Phänomen. Die Erfindung des Wasserklosetts ist den Engländern zu verdanken, doch konnte dieses hierzulande erst im 19. Jahrhundert langsam Fuß fassen. Bis dahin folgte das stille Örtchen – sowohl in Gaststätten als auch in Privathaushalten – dem Prinzip des Plumpsklos. Egal, ob es sich um Aborterker, Häuschen im Hinterhof oder Gangklo handelte.
Der Weg zum gemeinschaftlich genutzten Donnerbalken war oft weit und kalt. Was also tat der findige Mensch? Richtig, auf der Suche nach ein wenig Komfort und Privatsphäre griff man zum Gefäß. Da das Töpfchen aber regelmäßig auch wieder entleert werden musste, landete es gelegentlich mitsamt Inhalt in der unter dem Plumpsklo liegenden Latrinengrube – aus der es ArchäologInnen wieder ans Tageslicht befördern.
Außergewöhnlich viele Nachttöpfe konnten aus einem Latrinenschacht in der Kundmanngasse 21–27 geborgen werden. Sie sind recht vollständig erhalten. Das ist spannend, weil sich dadurch unterschiedliche Gefäßformen belegen lassen. Damit bereichern diese Funde unser Wissen über das Aussehen dieses nützlichen Gefäßtyps, dem wir in Wien bisher vor allem als kleines Bruchstück begegneten.

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Über 4067 BesucherInnen bei der Stadtarchäologie am Tag des Denkmals 2019

Autorin: Constance Litschauer

Es war ein wunderbarer Tag des Denkmals 2019 unter dem Motto „Kaiser, Könige und Philosophen“ für die Stadtarchäologie Wien. Heute möchten wir uns bei allen Besucherinnen  und Besuchern herzlich für das zahlreiche Kommen bedanken und einige Eindrücke von unseren beiden Stationen – dem „Römerstand“ beim Römermuseum und den beiden Führungen durch das mittelalterliche Wien – gerne teilen!

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Dreieckige Kachel, endlich gefunden!

Autorin: Christine Ranseder

Manchmal finden ArchäologInnen auch, wonach Sie garantiert nicht suchen. Wiens Boden ist immer für eine Überraschung gut. Umso größer war die Freude jener, die sich für Keramik begeistern können, als bei der Sichtung des Fundmaterials aus der Werdertorgasse Bruchstücke von Maßwerkkacheln auftauchten. Gute Stuben mit schmucken Kachelöfen gab es also doch häufiger in Wien als ursprünglich gedacht.

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Von Kaisern, Königen, Philosophen, Ratten und Bandwürmern …

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Vielleicht haben Sie es auch gelesen – der heiße Sommer brannte sich offenbar auch tief in die so beliebte kühle Dritter-Mann-Dunkelheit der Kanalisation, und die Trockenheit trieb mehr Ratten an die Oberfläche als sonst. Kein Wunder: Ist man es als nacktschwänziger gewiefter Vierbeiner gewohnt, dem sanften Gluckern alter, in den Untergrund gegangener Wienerwaldbäche und mehr oder weniger neuer Kanäle zu lauschen, ist die Storm´sche „Dunst ist die Welle, Staub ist die Quelle“ Regentrude-Nummer nur wenig unterhaltsam. Dennoch, solch trocken-hitziges Ungemach befiel die städtischen Nager immer wieder seit es Nager gibt – und Städte. Denken Sie nur an Hammeln und den Ärger, den man dort hatte – erst mit dem Ungeziefer und dann mit dem zauberkundigen Pfeifer, der es überraschenderweise nicht gleichmütig aufnahm, von der Stadt um seinen Lohn geprellt zu werden. Was hat das nun mit dem Tag des Denkmals zu tun? Wenn sie meiner Flöte noch einen Moment folgen wollen, werden sie sehen wo ich hinwill.

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Im Stadtbild: Archäologisches am Michaelerplatz. Teil 2

Autorin: Christine Ranseder

Von den spätmittelalterlichen Anfängen der Paradeisgartelmauer war bereits im letzten Blog zu lesen. Aus heutiger Sicht betrachtet, lag dem Kaiser weder das Wohl des Klimas noch des Volkes am Herzen, als er sich zum Ausbau seines Lustgartens entschloss. Ein ansehnlicher Garten, der nicht zur Produktion von Nahrungsmitteln diente, war schlichtweg ein Statussymbol. Doch die Idylle mit Obstbäumen, Rosen, Teich und Vogelhaus währte nicht lange. Durch einen Brand im Jahr 1525 und die Erste Türkenbelagerung 1529 wurde die Gartenanlage stark beschädigt. Ein guter Zeitpunkt für grundlegende Veränderungen? Keineswegs.

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