Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Im Tod – wenn auch nicht in der Opulenz der Bestattung – sind sie alle gleich, wie man so schön sagt. Archäolog:innen starren nach der Freilegung immer nur leere Augenhöhlen entgegen – pathetisch, aber wahr: Welch´ Geist auch immer der meist spröde gewordenen Kalotte Scharfsinn, Witz oder einen Mangel an beiden verlieh, hat sich verflüchtigt.
Nun gibt es da aber aus Sicht von Archäologen:innen noch etwas, das definitiv keine Standesdünkel kennt. Vor dem gemeinen Bandwurm waren und sind ebenfalls alle Menschen gleich, und mit besagtem Bandwurm, Spulwurm, dem Leberegel und Konsorten haben wir gerade in der edlen Umgebung von Am Hof reichlich Bekanntschaft gemacht.
Was sich hier wie ein Einstieg zu medizinischen Überlegungen und genüsslichem Wühlen in Klärschlamm liest, ist lediglich die Ankündigung für unsere nächste „Stadtarchäologie aktuell“-Führung. Denn besagte Führung beginnt direkt vor der Feuerwehrzentrale Am Hof 10 mit einer Menge Information zu zwei Kanälen.

Der erste Kanal ist nicht nur „altgegraben“, sondern auch der ältere von den beiden. Unter der heutigen Feuerwehr befindet sich ein römischer Kanal, einer der wenigen römischen Befunde, die nach der Ausgrabung erhalten wurden. Nicht weit davon entfernt wurde bei einer neueren Ausgrabung ein mittelalterlicher Kanal nicht nur minutiös und nach neuen Maßstäben der archäologischen Handwerkskunst freigelegt und dokumentiert, sondern auch nach allen Regeln dieser Kunst beprobt – die Mengen an eingetrocknetem mittelalterlichem Schlamm an der Sohle haben es uns allerdings recht leicht gemacht, an analysefähiges Material zu kommen.

Nach einem genaueren Blick auf Parasiten aus dem spätmittelalterlichen Wien und Resten von ausgeschiedenen Heilmittelchen gegen diese wenden wir uns der Babenberger Burg Am Hof zu. Vor allem werden wir diskutieren, was aus archäologischer Sicht wirklich bekannt ist, denn da zeigen sich deutliche Unterschiede in der Betrachtung der schriftlichen Quellen. Auf den Spuren dieser Burg und ihrer Befestigung geht es weiter über den Heidenschuß in die Renngasse, wo man 1992 auf mehr als einen toten Römer stieß. Gleich mehrere spätantike Bestattungen gruppierten sich an der ehemals in diesem Bereich zumindest recht römischen Wipplingerstraße.

Und weil jede dieser kleinen Führungen ja doch ein Weg in die Vergangenheit Wiens sein soll, besehen wir uns am Schluss die Hohe Brücke und ihre Bedeutung seit den Römern, ihre signifikante Positionierung für den Transfer über den Tiefen Graben, schon als noch der Ottakringer Bach dort floss.
Schlussendlich wird man als Archäolog:in also auch noch einer wesentlichen Funktion gerecht, die unsere Zunft eigentlich immer schon hatte: Übersetzer kultureller Hinterlassenschaften und veritabler Brückenbauer quer über den Abgrund der Zeit. Hand aufs Herz: Wer möchte das nicht in seiner Arbeitsplatzbeschreibung stehen haben?
Zu den Terminen geht es hier.