Von „Sandlern“ und „Katzelmachern“

Autorin: Verena Tiedtke

Wien ist bekannt für Kaffeehäuser, glanzvolle Bauten und seine Liebe zum Tod. Aber wussten Sie auch, dass Wien für sein Ziegelmuseum sogar im Ausland berühmt ist?

Dieses Kleinod befindet sich im 14. Wiener Gemeindebezirk in der Penzinger Straße 59, wo seit 1982 Ziegel aus überwiegend Wiener und Niederösterreichischer Produktion präsentiert werden.

Ein beträchtlicher Teil der über 13.000 Objekte stammt aus der Gründerzeit, da vor allem während der Bauphase der Ringstraße enorme Mengen an Ziegeln benötigt und auch auf Wiener Stadtgebiet produziert wurden.

Ziegelarbeiterinnen und -arbeiter vom Wienerberg, sog. „Ziegelböhm“. Fotografie, um 1900. (© Wien Museum)
Ziegelarbeiterinnen und -arbeiter vom Wienerberg. Fotografie, um 1900. (© Wien Museum)

Einer der einflussreichsten Hersteller war Heinrich Drasche, der ab 1857 die Ziegeleien seines verstorbenen Onkels Alois Miesbach im Süden Wiens übernahm und zu einem industriellen Großunternehmen mit ca. 10.000 Beschäftigten ausbaute.

Ein Ziegel aus der Ziegelei von Alois Miesbach. (Foto: Stadtarchäologie Wien / Nikos Piperakis)
Ein Ziegel aus der Ziegelei von Heinrich Drasche. (Foto: Stadtarchäologie Wien / Nikos Piperakis)
Erna Grünseis-Frank (1918−2005), Geometrisch-abstrahierte Ansicht einer Lehmabbauanlage (Ziegelei) mit Arbeiterwohnsiedlung, Gartenbausiedlung, Teichen und Kühen in Inzersdorf am Wienerberg. Gemälde, 1951. (© Wien Museum)

Geleitet wird das Museum von Dr. Gerhard Zsutty, einem bekennenden Liebhaber des Ziegels. Seine Expertise ist für die Stadtarchäologie Wien von unschätzbarem Wert, um Mauern genau zu datieren. Ein wichtiges Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist der vor allem bei Ausgrabungen viel verwendete Katalog von neuzeitlichen Ziegelzeichen (Ziegelzeichen A–Z – Stadtarchäologie Wien).

Sollten Sie nun einen Besuch im Wiener Ziegelmuseum planen, lassen Sie sich bei einer Führung durch die Ausstellung vom Ursprung der Begriffe „Sandler“ und „Katzelmacher“ überraschen.