Autorin: Constance Litschauer

… und ich sage dir, wer du bist! Das trifft auch auf die im Sommer 2025 in der Seestadt Aspern aufgedeckte Börse zu, in der sich Münzen und Papierreste fanden. Vor dem Hintergrund der Schlacht bei Aspern (1809) gegen die französischen Truppen erzählen sie von ihrem ehemaligen Besitzer, aber auch von der Geld- und Wirtschaftspolitik in den habsburgischen Erblanden.
Nach dem Öffnen der prall gefüllten und bei der Auffindung noch verschnürten Geldbörse zeigten sich zwischen Papierfragmenten vierzehn überraschend systematisch eingeordnete Münzen. Sie dürften einem äußerst ordentlichen Soldaten gehört haben, der aufgrund der Zusammensetzung der Prägungen als Angehöriger der österreichischen Armee angesprochen werden kann.

Schotter oder doch kein Schotter
In dem einstigen Besitzer einen österreichischen Soldaten zu vermuten, legen die insgesamt dreizehn Kreuzer-Münzen unterschiedlichen Werts des Kaisers Franz II./I. (1768–1835) nahe, die nur von einer undatierten „Landmünz“ des Kurfürsten Maximilian III. Joseph (1745–1777) von Bayern ergänzt werden. Sie ist die älteste Prägung im Spektrum und damit nicht für den Verlustzeitpunkt der Börse aussagekräftig. Die grundsätzlich für Inlandszahlungen ausgegebene Silbermünze fügt sich zuletzt aber doch gut in den Börseninhalt. Im Zuge einer Münzreform Maria Theresias (1740–1780) im Jahr 1753 wurde eine Konvention zwischen den beiden befreundeten Ländern abgeschlossen, die besagte, dass zur Erleichterung des Handels im gleichen Münzfuß – dem sog. Konventionsmünzfuß – geprägt werden musste. Aufgrund des Vertrages wurden nun in beiden Ländern und in Österreich bis 1857 aus einer kölnischen Mark (eine Gewichtseinheit zu 2,3389 kg) Feinsilber 20 Guldenmünzen ausgegeben, womit auch der Wert der bayerischen Scheidemünze den in Österreich heimischen 3-Kreuzer-Stücken (1 Gulden = 60 Kreuzer) entsprach.

Der Herstellungszeitraum der österreichischen Fundmünzen dürfte auf die Jahre ab 1800 beschränkt sein, wobei allein fünf gut datierbare Stücke in den Jahren 1807 und 1809 entstanden sind, also unmittelbar vor der Schlacht bei Aspern. Auch das Spektrum ist mit nur drei verschiedenen Münzsorten eingeschränkt. Es handelt sich um sieben silberne 20-Kreuzer-Münzen und eine silberne 5-Kreuzer-Münze des Franz I. sowie fünf Kupferstücke im Wert von 30 Kreuzern. Das bedeutet, dass in der Börse in erster Linie die im Alltag gebräuchlichen Kuranten aufbewahrt wurden.
Von den in der Börse aufbewahrten Silbermünzen konnten vier Stück näher bestimmt werden: Sie wurden 1809 geprägt und damit im gleichen Jahr, in dem auch die Schlacht bei Aspern stattfand. Es liegt also nahe, in dem Geld einen Teil des Solds zu sehen, der nicht mehr ausgegeben werden konnte. In diesem Zusammenhang überrascht auch die Dominanz der 20-Kreuzer-Münzen in der Börse nicht – sie bestätigt vielmehr den damals umgangssprachlich gebräuchlichen Begriff „Kopfstück“ für die aufgrund ihres Wertes wichtigste Münzsorte im Alltag. So entsprachen 20 Kreuzer im Jahr 1809 laut Kaufkraftrechner 0,9 Tagen Arbeit sowie 1,7 kg Brot, 0,5 kg Fleisch, 0,8 l Wein oder 2,9 l Bier und damit Produkten in durchaus gebräuchlichen Mengen.

Auffallend und geldpolitisch aussagekräftig ist auch, dass alle Silbermünzen schlecht erhalten sind. Die durch Kupferkorrosion entstandenen grünen Ablagerungen weisen darauf hin, dass dem Edelmetall viel Buntmetall beigemengt wurde. Die schlechte Legierung spiegelt den Wertverlust des Geldes wider, das vor allem in Krisenzeiten zwar mit dem gleichen Nenn-, aber geringerem Metallwert neu ausgegeben wurde, nachdem das alte, „gute“ Geld zuvor eingezogen wurde. So stieg auch in Österreich vor dem Hintergrund der enormen Kosten für die kriegerischen Auseinandersetzungen mit Frankreich der Geldbedarf immer weiter und es mussten entsprechende Eingriffe in die Geldpolitik vorgenommen werden. Dies entspricht dem quer durch alle monetär geprägten Epochen verfolgbaren Motto „bad money drives out good“ des englischen Kaufmanns und Finanziers Sir Thomas Gresham (1519–1579).

Die fünf in der Börse aufbewahrten Kupferstücke mit einem Wert von 30 Kreu(t)zern erzählen ebenfalls einiges zur damaligen Währungsgeschichte. Der besondere Zweck der bis 1807 in Silber und daraufhin verhältnismäßig groß in Kupfer ausgeprägten Münzsorte (Dm ca. 38 mm) zeigt sich durch die Rückseitenaufschrift. Während die äußere Umschrift DREYSSIG*KREUTZER*ERBLAEND*ISCH.1807* Auskunft über den Wert und das Prägejahr gibt, ist auf der inneren, den dargestellten Doppeladler umgebenden Umschrift WIENER ST(adt) BANCO ZETT(el) THEILINGS MÜNZ(e) Z(u) 30 K(reuzern) zu lesen. Da die weiterhin kursierende Silberwährung höher als die Wiener-Banco-Zettel bewertet wurde und das richtige Herausgeben beim Bezahlen somit durchaus kompliziert sein konnte, dienten derartige Teilungsmünzen als eigenes Kleingeld zum Einwechseln der Papierwährung.

Fetzerl mit Wert?
In der Folge geben die Teilungsmünzen des 1705 gegründeten Geldinstituts Wiener Stadt-Banco auch Auskunft über die ebenfalls in der Börse erhaltenen Papierfragmente. Ohne Fundvergesellschaftung mit den Teilungsmünzen wäre es nicht möglich gewesen, in den gefalteten und – soweit erkennbar – mit Linien bedruckten Papierfragmenten frühes Papiergeld zu vermuten.

Nachdem in Österreich vor dem Hintergrund des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) unter Maria Theresia (1740–1780) im Jahr 1762 das erste Mal „Papiergeld“ ausgegeben wurde, griff man im Zuge der Auseinandersetzungen mit Frankreich ab 1792 neuerlich auf diese Lösung zurück. Da die Bevölkerung inzwischen dem im Verhältnis zu Metallgeld wesentlich leichteren und damit auch praktischeren Papiergeld vertraute, konnten mithilfe der Stadt-Banco-Zettel relativ einfach zusätzliche Finanzmittel geschöpft werden, ohne abermals den Münzfuß verschlechtern zu müssen.

Durch den hohen Bedarf betrug das Volumen der umlaufenden und mit unterschiedlichen Nennwerten ausgegebenen „Zettel“ mit Kredit- und Anleihecharakter im Jahr 1810 zuletzt mehr als 1 Milliarde Gulden. Da sich Geld aber nur scheinbar unendlich vermehren lässt, verloren sie bald massiv an Wert und Österreich schlitterte nicht nur in eine Inflationsperiode, sondern im Jahr 1811 schließlich in den Staatsbankrott. Es folgte eine Geldabwertung auf nur noch 20 % des Nennwertes und die vor allem im ausgehenden 18. Jahrhundert durchaus populären „Zettel“ der Wiener Stadt-Banco wurden nur noch im Verhältnis 5:1 in Einlösungsscheine einer Krisenwährung umgetauscht. Diese führte zur Wiener Währung – das ist aber eine andere Geschichte.
Hier gibt es noch ein paar Literaturtipps für Alle, die mehr zur Schlacht bei Aspern im Jahr 1809 erfahren wollen:
Martin Penz / Sławomir Konik / Christine Ranseder, Zwei neue napoleonzeitliche Soldatengräber in Wien-Aspern. In: Fundort Wien. Berichte zur Archäologie 24, 2021, S. 52–70.
Christine Ranseder / Sylvia Sakl-Oberthaler / Martin Penz / Michaela Binder / Sigrid Czeika, Napoleon in Aspern. Archäologische Spuren der Schlacht 1809. Wien Archäologisch 13 (Wien 2017).