Erste archäologische Voruntersuchungen

Autorinnen: Constance Litschauer, Heike Krause | Stand: 1.9. 2020

Im Westen des Bacherplatzes soll der nördliche Aus- und Zugang der künftigen U2-Station Reinprechtsdorfer Straße entstehen. Im Vorfeld der Stationserrichtung wurde im Sommer 2020 eine Künette ausgehoben, um verschiedene Einbauten wie die Strom- und Wasserleitung umzulegen. Die archäologische Betreuung der Arbeiten ermöglicht eine genauere Prognose zu den erwartbaren Befunden und Funden.

Der Bacherplatz während der Einbautenumlegung, Blickrichtung Nordwesten, und Lage der geplanten Grabungsfläche im heutigen Stadtplan. (Foto: Stadtarchäologie Wien; Plangrundlage: ViennaGIS, Plan: Stadtarchäologie Wien/M. Mosser)

Landwirtschaftliche Nutzflächen und Ziegelproduktion

Der heutige Bacherplatz entstand erst im dritten Viertel des 19. Jahrhunderts. Anhand historischer Karten und Pläne lassen sich nutzungsbedingte Veränderungen in diesem Areal ab dem 18. Jahrhundert nachvollziehen. Der Plan von Leander Anguissola und Johann Jakob Marinoni von 1706 zeigt auf diesen zur Herrschaft Margareten gehörenden Gründen landwirtschaftliche Nutzflächen und einen aus zwei Gebäuden bestehenden Hof. Vermutlich wurde hier Obst oder Wein angebaut.
Spätestens ab den 1770er Jahren war hier eine Ziegelei in Betrieb, wie sowohl der Plan von Joseph Anton Nagel als auch die Vogelschau von Joseph Daniel Huber belegen. Zu dieser Parzelle dürfte ein weiter im Norden befindlicher großer Vierflügelbau gehört haben, der sog. „Große Spengerhof“. Von der Ziegelei sind ein kleines Gebäude, bei dem es sich vielleicht um einen Ziegelofen handelt, und umliegend mehrere langgestreckte Trockenhallen für Ziegel wiedergegeben. In der Vogelschau von Huber ist auch eine Geländeeintiefung von unregelmäßigem Umriss dargestellt. Hier wurde Lehm für die Ziegelherstellung abgebaut.

Ausschnitt aus der Vogelschau von Joseph Daniel Huber (um/nach 1770) mit dem Ziegeleigelände, Westen ist oben. (© Wien Museum)

Als Eigentümer der Ziegelei ist im Häuserverzeichnis von Franz de Ponty aus dem Jahr 1779 der Ziegelbrenner Mathias Kühtreiber angeführt, der auch das nach Süden reichende Areal und zwei angrenzende Häuser, den „Großen und Kleinen Spengerhof“, besaß.1 Um 1790 ist Mathias Kühtreiber als Eigentümer des 1786 bereits im Besitz von einem Thomas Hallweis befindlichen Spengerhofes und auch der anderen Immobilien nicht mehr zu finden. Die Ziegelei dürfte Ende des 18. Jahrhunderts aufgegeben worden sein, der Spengerhof blieb jedoch bestehen.
Das Abbaugebiet der Ziegelei wurde in der Folge wohl aufgeschüttet, planiert und neu parzelliert. Im Stadtplan von 1812 sind vorwiegend Landwirtschafts- bzw. Gartenparzellen mit loser Bebauung zu sehen. Der heute vom Bacherplatz zur Margaretenstraße führende Abschnitt der Spengergasse existierte bereits.
Auf dem Plan von Anton Behsel aus dem Jahr 1824 sind im Umfeld des geplanten Untersuchungsgebietes zwei Gebäude mit den Konskriptionsnummern 76 und 77 verzeichnet. Im Haus Nr. 76 wohnte die bürgerliche Ziergärtnerfamilie Serp und in dem weiter westlich gelegenen Haus Nr. 77 lebten Johann und Susana Berger.2 Bald danach musste ein Wechsel an der Adresse „Margarethen Nr. 77“ stattgefunden haben, da eine Todesanzeige den bürgerlichen Gärtner Johann Preiß nennt, der am 11. März 1838 das Ableben seines einjährigen Kindes beklagen musste.3
Mit der systematischen Parzellierung im dritten Viertel des 19. Jahrhunderts entstand neben den heutigen Straßenzügen auch der Bacherplatz.

Ausschnitt aus dem Plan von Anton Behsel aus dem Jahr 1824 mit der Lage des heutigen Bacherplatzes, Norden ist oben. (© WStLA)

Erkenntnisse durch die Einbautenumlegungen

Im Bereich der Häusergrenze Bacherplatz Nr. 6 und 7 wurden im Zuge der Aushubarbeiten für die Künette West-Ost verlaufende Fundamentreste mit Gewölbeansatz angeschnitten. Dieses aus ungestempelten Ziegeln mit dem Format 29 x 15 x 6 cm bestehende Mauerwerk ist wohl dem oben erwähnten Haus der Familie Berger zuzurechnen.
Die Profile des 4 m tief ausgehobenen Schachtes am Bacherplatz zeigen heterogene Aufschüttungen. Die lagig eingebrachten Verfüll- bzw. Planierschichten sind im oberen Bereich vermehrt durch Bauschutt und andere Einschlüsse gekennzeichnet. Mithilfe des Fundmaterials – darunter das Fragment einer Pillnaer Bitterwasserflasche des A. Ulbrich aus Böhmen4 – können sie ins 19. Jahrhundert gesetzt werden, als im Zuge der Auflassung der Ziegelei die Lehmentnahmegruben verfüllt und das Areal aufplaniert wurden. Die an der Unterkante der Künette angetroffenen, teilweise sterilen lehmigen oder tegeligen Lagen können hingegen noch ungestörtes anstehendes Gelände darstellen oder es handelt sich um umgelagertes Rohmaterial der Ziegelei.

Planierschichten als Hinweis auf verfüllte Lehmentnahmegruben am Bacherplatz, Blickrichtung Westen. (© Foto: Stadtarchäologie Wien)
Pillnaer Steinzeugflasche des 19. Jahrhunderts mit Stempelrest und Fragment eines mittelalterlichen Mauerziegels mit sog. Fingerstrich. (Fotos: Stadtarchäologie Wien)

Man darf also durchaus auf die weiteren Baumaßnahmen vor Ort gespannt sein. Ob dann auch ältere Siedlungsschichten zutage treten, ist aufgrund der massiv eingetieften Lehmentnahmegruben der Ziegelei zwar nicht unbedingt zu erwarten, jedoch lassen bis ins Spätmittelalter datierende Funde zumindest auf die Überreste tiefgreifender Einbauten wie Brunnenschächte oder Latrinen dieser Zeitstufe hoffen.

Anmerkungen:

  1. Franz de Ponty, Verzeichniß der in der Kaiserl. Königl. Haupt- und Residenzstadt Wien, sammt dazu gehörigen Vorstädten, und Gründen, befindlichen numerirten Häusern derselben Eigenthümern, und deren Conditionen, Schilderen, Gassen, Grund-Obrigkeiten, Pfarreyen, und derzeit Bezirksaufsehern auf das genaueste nach denen Grundbüchern entworfen, Wien 1779, S. 166 Nr. 7–10; Joseph Freiherr von Hormayr, Wien, seine Geschicke und Denkwürdigkeiten, Band 3, Heft 2–3, Wien 1825, S. CCCXXII.
  2. Anton Behsel, Verzeichniß aller in der kaiserl. königl. Haupt- und Residenzstadt Wien mit ihren Vorstädten befindlichen Häuser […], Wien 1829, S. 118 Nr. 76 und 77.
  3. Wiener Zeitung, 15. März 1838, [S. 4].
  4. Ingeborg Gaisbauer, Die Keramikfunde aus dem Festungsabschnitt der Grabung Wien 1, Weihburggasse. In: Fundort Wien. Berichte zur Archäologie 14, 2011, S. 74–76, bes. S. 75.