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Nicht an den Ohren ziehen!

Autorin: Christine Ranseder

Denn  das mögen Hasen gar nicht. Bei unseren Hasenköpfchen, gefunden am Judenplatz, wird das auch schwer gehen, handelt es sich doch um Ausgüsse von Bügelkannen. Das Schnäuzchen gewischt hat man ihnen vielleicht,  allerdings sicher nicht, um die letzten Tropfen Eierlikör aufzufangen. Ja, Ostern steht bevor. Da liegen Hasen und Eier nahe, wenngleich erstere keine Eier legen, diese aber, will man dem Brauchtum folgen, sehr wohl verstecken. Der Osterhase wird übrigens erstmals in einer Druckschrift aus dem Jahr 1682 erwähnt.

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Seltenes vom Wiener Stadtrand: Eine Siedlung aus dem Endneolithikum

Autorin: Christine Ranseder

Unsere Grabung am südlichen Wiener Stadtrand, auf den Grundäckern (Wien 10), ist gerade zu Ende gegangen und der Verdacht hat sich bestätigt: Es wurden neuerlich Siedlungsobjekte aus dem Endneolithikum aufgedeckt. Lassen Sie mich kurz zusammenfassen, was wir bis jetzt über diesen Siedlungsplatz, der aufgrund der Keramik mit der Kosihy-Čaka-Makó-Gruppe in Verbindung gebracht werden kann, wissen.

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Menschen, die großen Verschmutzer

Autorin: Christine Ranseder

Seien wir ehrlich, ArchäologInnen verbringen viel Zeit mit dem Müll anderer Leute. Böse Zungen könnten behaupten, der Mensch hätte schon immer seinen Dreck dort fallen lassen, wo er gerade stand. Wenn nicht geputzt wird, bilden sich mit der Zeit schöne Schichten, die trotz ihres Namens mit Kultur wenig gemeinsam haben. Auch von Gruben, Latrinen, aufgelassenen Brunnen und unliebsam gewordenen Gräben ging eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus, sie doch bitte mit Abfall zu verfüllen. Uns ist das nur recht, lesen wir doch nicht aus dem Kaffeesud, sondern aus dem Erdreich.

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HIP, HIP, HURRAH!

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Die Initiative Seniorarchäologie ist auszeichnungswürdig! Nicht, dass uns das jetzt überraschen würde, immerhin sehen wir hier Tag für Tag was für Leistungen unsere Volontäre erbringen. Trotzdem: Es ist immer wieder angenehm, gelobt zu werden, Bestätigung auch oder gerade von Außenstehenden zu bekommen. Prestigeträchtig ist es natürlich auch, und das schadet bekanntlich auch nicht, zumal es diesmal vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz kommt.
Im letzten Sommer haben wir an einer „Good Practice“ Studie zur Bildungsarbeit mit älteren Menschen teilgenommen. Im Rahmen dieses „Good Practice“ Projekts wurde die Arbeit vor Ort evaluiert und unsere freiwilligen Mitarbeiter hatten die Gelegenheit, mittels Fragebögen aus ihrer Sicht die Initiative zu bewerten. Nun, wir haben uns gut geschlagen und am 1. April (kein Scherz!) gibt es eine Zertifikatsverleihung in der Urania.
Mir persönlich macht aber am meisten Freude, dass im Rahmen dieser Evaluierung vor Ort auch unsere Volontäre Fragebögen ausgefüllt haben und darin ihre Tätigkeit hier, die Betreuung und die Wissensvermittlung bewerten konnten. Ganz offenbar haben wir auch in dieser Kategorie sehr gut abgeschnitten. Das bedeutet für mich, dass die Initiative Seniorarchäologie wirklich für beide Seiten ein Gewinn ist und die Arbeit in ihrem Rahmen uns allen ein „Mehr“ bringt.

Archäologie am Stadtrand

Autorin: Christine Ranseder

Nicht nur im innerstädtischen Bereich werden Spuren der „Proto-Wiener“ angetroffen. Auch am Stadtrand des heutigen Wiens gibt es einige archäologische Hotspots. Einer davon ist Oberlaa, im Südosten des heutigen 10. Wiener Gemeindebezirks.
Lange bevor im Mittelalter das Dorf Oberlaa entstand, ließen sich hier Menschen nieder. In den letzten Jahrzehnten konnten prähistorische Siedlungsreste aus dem Endneolithikum, der Hallstatt- und der Latènezeit archäologisch untersucht werden. Derzeit befindet sich neuerlich eine Ausgrabung im Planungsstadium, die es uns hoffentlich ermöglicht, weitere Belege der ausgedehnten endneolitischen Siedlung zu dokumentieren.
Doch was machte dieses Gebiet für die Menschen in der Urgeschichte so reizvoll?

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Vom „großen Graben“ zur Begegnungszone: die Rotenturmstraße

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Nach dem Stephansplatz ist es jetzt für die Rotenturmstraße und ihr allernächstes Umfeld soweit. Die gesamte Oberfläche wird erneuert, eine Begegnungszone eingerichtet und im Vorfeld natürlich einige Arbeiten im Untergrund, Leitungen aller Art betreffend, durchgeführt. Und genauso wie am Stephansplatz wird es auch hier eine archäologische Begleitung der einzelnen Schritte geben. Immerhin ist dieser heutige Straßenzug mit einer fast ebenso abwechslungsreichen Geschichte gesegnet wie der Platz um St. Stephan. Grund genug, sich in dem einen oder anderen Blogbeitrag mit eben dieser Geschichte etwas genauer auseinanderzusetzen und die neuen Ergebnisse vorzustellen.

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Maßwerkfieber

Autorin: Christine Ranseder

Filigrane geometrische Muster in Durchbruchsarbeit, das so genannte Maßwerk, waren in der Gotik des Handwerkers liebste Zier. In der Architektur spielte Maßwerk eine bedeutende Rolle bei der Gestaltung von Fenstern – nicht nur als Schmuck, sondern auch als konstruktionstechnisches Hilfsmittel, um das Fensterglas zu halten und dem Winddruck zu trotzen. Doch weil es so schön ist und dem damaligen Zeitgeschmack entsprach, kam es auch für Altäre, Möbel, Schmuck und Kachelöfen zum Einsatz. Fall Sie noch immer rätseln: Das eigenartige Ding auf dem Foto ist ein Bruchstück von einer Ofenkachel mit bescheidenem Maßwerk.

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Im Stadtbild: Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen

Autorin: Heike Krause

Die Mölker Bastei verkörpert ein Stück „Alt-Wien“. Nostalgisch charmant wirken die kleinen Häuser am verwinkelten Mölker Steig. Hier – unweit des stark befahrenen Universitätsrings – herrscht eine erstaunliche Stille. Man fühlt sich merkwürdig entschleunigt. Als sei auf engem Raum die Zeit tatsächlich stehen geblieben. Kein Wunder, dass dieser Ort mehrfach als Kulisse diente. Sowohl für den Film „Der dritte Mann“ als auch für „Das Dreimäderlhaus“ nach dem Roman „Schwammerl“ von Rudolf H. Bartsch wurden Szenen dort gedreht. Der Name des Eckhauses Schreyvogelgasse 10 ist darauf zurückzuführen. Dabei ist die Geschichte über eine Romanze Franz Schuberts mit drei hier wohnenden jungen Frauen frei erfunden.
Die Häuser auf der Mölker Bastei blieben von der Demolierungswelle in der Gründerzeit verschont. Die Stützmauer der Rampe, die sich entlang der Schreyvogelgasse zieht, sieht aus wie eine alte Befestigungsmauer. Doch stimmt das auch?

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Aus der Ferne komm ich her

Autorin: Christine Ranseder

Im archäologischen Fundmaterial des Mittelalters und der frühen Neuzeit weist nichts darauf hin, dass sich Wien mit den reichen Hansestädten oder „global playern“, wie London und Amsterdam, messen konnte. Doch selbst das aus der Sicht des Welthandels vergleichsweise unbedeutende Wien bekam seinen Anteil an Importen – auch wenn es sich zumeist um recht bescheidene Waren handelte.

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