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Im Stadtbild: Hereinspaziert! Die Reste des ehemaligen Stubentors

Autorin: Christine Ranseder

Im 16. Jahrhundert wurde die mittelalterliche Stadtmauer Wiens durch eine mächtige Befestigungsanlage ersetzt. Bis zu  ihrem Abriss ab 1858 umschloss diese ungefähr das Gebiet des heutigen ersten Wiener Gemeindebezirkes wie eine Membran, die nur an einigen Stellen Durchlass gewährte. Wer durch die Stadttore ging und kam, welche Güter ein- und ausgeführt wurden sowie die Bezahlung einer etwaigen Maut, ließ sich leicht überwachen. Nachts waren die Tore geschlossen. Nachtschwärmer, die nach der Sperrstunde passieren wollten, mussten ab 1626 eine Gebühr entrichten. Tourismusexperten, Marketingstrategen und Immobilienspekulanten kämen vermutlich die Tränen, wenn sie sich die Möglichkeiten ausmalten, wie heute mit der alten Stadtbefestigung leichtes Geld zu verdienen wäre. Stellen Sie sich vor: Der erste Bezirk ein Erlebnispark für Touristen, natürlich nur gegen ein geschmalzenes Eintrittsgeld zu betreten! Oder wie wäre es mit einer „gated community“ für Superreiche und  sogenannte Investoren? Tja, Pech gehabt! Die mächtigen Mauern sind längst Geschichte, freier Zugang für alle ist die Devise und wo früher Stadttore standen sind heute bestenfalls Überwachungskameras zu finden. Nirgends ist dies offensichtlicher als beim ehemaligen Stubentor, dessen spärliche Reste in eine U-Bahn Station integriert wurden.

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Abwarten und Tee trinken!

Autorin: Christine Ranseder

Oder doch lieber einen Kaffee schlürfen? Die Wiener waren ja nie große Teetrinker. Egal, im archäologischen Fundmaterial aus Wien fällt eine Zuweisung von Tassen zu dem einen oder dem anderen Heißgetränk ohnedies schwer. Nicht zuletzt weil uns eine breite Datenbasis für eine Typologie fehlt, denn bei Ausgrabungen kommt diese Gefäßform recht selten zutage. Eigentlich erstaunlich, Wien gilt ja als Hochburg des Kaffeehauses – zumindest in der Tourismuswerbung – und irgendwann wird doch auch in den Lokalen längst vergangener Zeiten etwas zu Bruch gegangen sein. Nun ja, wie so oft kann die Realität offensichtlich nicht mit der Fiktion mithalten.

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Lampen aus Vindobona – Eine zusammenfassende Vorlage der römischen Öllampenfunde

Autorin: Sylvia Sakl-Oberthaler

Die Idee, die römischen Öllampen aus Vindobona, die auf fast jeder römerzeitlichen Ausgrabung zum klassischen Fundrepertoire gehören, zusammenfassend vorzustellen, entstand bereits vor einigen Jahren. Für einen Lampenkatalog, der durch die ständig laufenden Grabungsprojekte der Stadtarchäologie immer weiter anwächst, erschien uns zu guter Letzt die Publikation in digitaler Form besonders geeignet, vor allem auch deshalb, weil sie ohne viel Aufwand aktualisiert werden kann.

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Im Stadtbild: Reste vergangener Wehrhaftigkeit

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Die Mauer des römischen Legionslagers zu betrachten, ist uns in Wien leider nicht vergönnt. Selbstverständlich weiß jeder Römer-faszinierte Wiener, dass sich die Umrisse des ehemaligen Lagers ganz einfach bei einem netten kleinen Frühlingsspaziergang abgehen lassen, aber es bleibt ein klares „hier war es einmal“-Spiel. Selbst dort, wo die Tuchlauben auf den Graben trifft, lassen sich die Ausmaße der porta decumana nur noch erahnen, wenn man weiß, wie man sich das ganze vorzustellen hat. Mittelschlechte Karten also, für die Sichtbarkeit der Befestigung im Stadtbild?

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Die römische Befestigung lässt grüßen

Autorin: Constance Litschauer

© Stadtarchäologie Wien - Constance Litschauer

Des Einen Leid ist zumindest manchmal des Archäologen Glück! Ganz aktuell bot ein Gasgebrechen an der Ecke Naglergasse/Tuchlauben im 1. Bezirk eine der seltenen Möglichkeiten einen Blick auf die Reste der porta decumana des rund 1900 Jahre alten Legionslagers von Vindobona zu werfen.

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auro loquente omnis oratio inanis est – wenn Gold redet, dann schweigt die Welt

Autorin: Constance Litschauer

Mit den römerzeitlichen Fundmünzen geht es in diesem Beitrag um eine im Verhältnis zur Keramik oder zu den Tierknochen weniger häufig anzutreffende, dafür aber mitunter sehr aussagekräftige Fundgattung. Besonders, da sich ArchäologInnen dank des in Form von kaiserlichen Titeln und Ämtern in der Münzlegende oft angegebenen Prägedatums eine Hilfe bei der Datierung der aufgedeckten Einbauten erwarten! Wie also sah das typisch wienerische Münzspektrum in römischer Zeit aus?

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Auf großem Fuß

Autorin: Christine Ranseder

Ich kann Ihnen versichern, dass wir nicht über unsere Verhältnisse leben, auch Hochstapeln liegt uns fern! Wir sind, wie immer, ganz bescheiden und begnügen uns mit Schuhresten, wenn andernorts vollständig erhaltene Schuhe gefunden werden. Mehr gibt der Wiener Boden aber leider nicht her. Immerhin ist genug übrig geblieben, um zumindest mit einiger Treffsicherheit die Art des Schuhwerks zu bestimmen: Es dürfte sich einst um einen Kuhmaulschuh gehandelt haben.

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Mauern à la carte

Autorin: Constance Litschauer

Was liegt näher als zum Ende der Fastenzeit einmal mehr einen Blick auf unsere Arbeiten in der Rotenturmstraße zu werfen? In Anbetracht der Tatsache, dass hier nicht nur ein moderner lukullischer Hotspot Wiens entdeckt werden kann, sondern auch ein Blick auf die historische Gebäude- und Beislszene durchaus reizvoll ist, wohl nicht viel!

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Nicht an den Ohren ziehen!

Autorin: Christine Ranseder

Denn  das mögen Hasen gar nicht. Bei unseren Hasenköpfchen, gefunden am Judenplatz, wird das auch schwer gehen, handelt es sich doch um Ausgüsse von Bügelkannen. Das Schnäuzchen gewischt hat man ihnen vielleicht,  allerdings sicher nicht, um die letzten Tropfen Eierlikör aufzufangen. Ja, Ostern steht bevor. Da liegen Hasen und Eier nahe, wenngleich erstere keine Eier legen, diese aber, will man dem Brauchtum folgen, sehr wohl verstecken. Der Osterhase wird übrigens erstmals in einer Druckschrift aus dem Jahr 1682 erwähnt.

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Seltenes vom Wiener Stadtrand: Eine Siedlung aus dem Endneolithikum

Autorin: Christine Ranseder

Unsere Grabung am südlichen Wiener Stadtrand, auf den Grundäckern (Wien 10), ist gerade zu Ende gegangen und der Verdacht hat sich bestätigt: Es wurden neuerlich Siedlungsobjekte aus dem Endneolithikum aufgedeckt. Lassen Sie mich kurz zusammenfassen, was wir bis jetzt über diesen Siedlungsplatz, der aufgrund der Keramik mit der Kosihy-Čaka-Makó-Gruppe in Verbindung gebracht werden kann, wissen.

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