Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Die Keramik aus den spätmittelalterlichen Befunden (Gruben 111, 115, 116, 121/133 und Planierschicht 73) sowie der Gefäßdeponierungen 1–4 zeigt in einem sehr guten Erhaltungszustand das formale Spektrum und die Gefäßentwicklung im 14./15. Jahrhundert bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts.

Töpfe

Formenentwicklung und funktionale Veränderungen

Sehr viele keramische Bodenfunde aus der Zeit des späten Mittelalters bzw. der frühen Neuzeit lassen sich dem Bereich Küche/Kochen/Speisenzubereitung bzw. Vorratshaltung zuordnen. Sie überwiegen gegenüber jenen Exemplaren, die eindeutig nur der Tischkultur, dem Servieren, Ausschenken, Trinken und Essen zuzurechnen sind.
Ganz gleich wie man nun eine Typologie anlegt, man orientiert sich dabei an der – möglichst vollständigen – Form eines Gefäßes. Leider ist diese lediglich bei der zweiten und kleineren Gruppe – dem Tischgeschirr – durch modische und ästhetische Überlegungen (neben den immer bestehenden praktischen Ansprüchen) geprägt.
Die erste und größere Geschirrgruppe ist in ihren formalen Veränderungen, wenn schon nicht ausschließlich, dann vorrangig, praktischen Überlegungen und Gestaltungsmaßnahmen unterworfen. Das bedeutet natürlich auch, dass ein formales Detail, dass sich als funktional und gut handhabbar erwiesen hat, vorerst einmal nicht einschneidend verändert wurde, sondern, im für die Archäologin/den Archäologen ungünstigsten Fall, über halbe (und ganze!) Jahrhunderte gleich blieb.

Ein gutes Beispiel dafür ist der umgebogene Rand/Kremprand, der sich – nach seiner grundsätzlichen Entwicklung noch im Hochmittelalter – im ganzen Spätmittelalter in absolut dominierender Rolle halten sollte, aber nur sehr wenige feiner chronologisch zuordenbare formale Veränderungen durchlief.

Beispiele für Töpfe mit Kremprändern. (Fotos: Stadtarchäologie Wien/Christine Ranseder)

Praktisch betrachtet lieferte dieser Rand wenigstens zwei Vorteile. Seine „Untergriffigkeit“ machte den Topf leichter handhabbar, die Krümmung des Randes an der Innenseite (und kombiniert mit Hohldeckeln gegebenenfalls auch an der Außenseite) gab einem die Möglichkeit, problemlos unterschiedlich große Deckel auf einem Topf zu benutzen, die immer noch gut abschließen konnten.
Größere Hohldeckel saßen dann schon an der äußeren Krümmung des Randes auf, kleinere „rutschten“ an der Innenseite etwas tiefer in den Topf hinein. Für die Flachdeckel galt ähnliches. Waren sie etwas zu groß, lagen sie am Randscheitel auf und standen etwas über den Rand hinaus, waren sie kleiner, schlossen sie die Öffnung einfach weiter drinnen im Topf ab.
Abgesehen von der praktischen Lösung, die ein Kremprand darstellte, bot der breite und zusätzlich noch verbreiterbare Randscheitel auch eine gute Möglichkeit, Töpfermarken einzustempeln.
Der Kragenrand – das andere formale „Erfolgsmodell“ ab dem 16. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert hinein – war in diesem Punkt schlicht unverwendbar.
Damit zeigt sich aber auch: Ist der Kremprand erst „erfunden“, ist zwar mit vielen graduellen Unterschieden (bis hin zur Handschrift verschiedener Töpfer) zu rechnen, aber nicht mit hilfreichen großen Entwicklungsschritten und Zäsuren. Somit ist der Kremprand als datierendes Detail und manchmal einziger Anhaltspunkt bei stark zerscherbtem Material für eine Grobeinordnung sehr brauchbar, „schwächelt“ aber merklich, wenn es um eine detailliertere zeitliche Zuordnung geht.

Beispiele für Töpfe mit Kragenrändern. (Fotos: Stadtarchäologie Wien/Christine Ranseder)

Wie sieht es – angesichts von gut erhaltenen Funden wie in der Hernalser Hauptstraße – mit dem Rest der Gefäßform aus?
Handelt es sich bei einem Topf mit einiger Gewissheit (Nutzungsspuren in Form von sekundärer Kohlenstoffanreicherung) um einen Kochtopf, so ist seine Gestalt mit Sicherheit zum einen von der Form der Kochstelle abhängig und zum anderen von den zu seiner Entstehungszeit üblichen Gerichten (die vermutlich wiederum mit der Art der Kochstelle korrespondieren).

Die dem Feuer zugewandte Seite des Topfes ist durch eine sekundäre Kohlenstoffanreicherung dunkelgrau bis schwarz verfärbt. (Foto: Stadtarchäologie Wien/Christine Ranseder)

Konkret: Für das Kochen in einer grubenförmigen Feuerstelle braucht man nicht unbedingt ein Gefäß mit einem ausgeprägten Boden. Erst die Entstehung des gemauerten Tischherdes macht solide Standflächen sinnvoll.1

Was heißt das für die Formentwicklung? Im 12./13. Jahrhundert benutzte man in Wien nachweislich grubenförmige Feuerstellen2, mit Lehm ausgekleidet oder auch mit Steinsetzungen befestigt. Wahrscheinlich waren diese Objekte eher multifunktionale Einheiten, die zum Kochen und Heizen, gegebenenfalls auch als Lichtquelle genutzt werden konnten. Die zugehörigen Töpfe haben einen nahezu kugeligen, zumindest extrem „bauchigen“ (größter Durchmesser in der Mitte) Körper und zum Teil eine kleine, etwas instabil wirkende Standfläche.3 Der massive Bauch führte auch zu einer Oberflächenvergrößerung, kombiniert mit dem starken Graphitgehalt der Töpfe möglicherweise ideal, um auch auf kleiner Flamme tief versunken in der Asche der Grube zu köcheln (Eintopf, Suppe, was auch immer der ärmere Wiener aß).4 Dafür brauchen diese Töpfe auch extrem viel Platz, wenn man sie nebeneinander stellt – in einer Grube vermutlich vernachlässigbarer als auf der Fläche eines Tischherdes.5

Grob ab 1400 gibt es Bildquellen6, die uns den Tischherd zeigen. Wenig überraschend sind die Töpfe vor allem des späteren 15. und beginnenden 16. Jahrhunderts schlank bis zylindrisch und haben eine ausgeprägte Standfläche. Soll heißen: Mehrere dieser Töpfe konnten problemlos (da wäre die „Bauchigkeit“ nämlich hinderlich) nebeneinander auf der Unterlage eines Tischherdes stehen. Die berechtigte Frage ist: Wann kommt es zu der Umstellung, und vor allem: Wann setzt sich der Tischherd flächendeckend in Wien durch?
Bedauerlicherweise lassen sich die einfachen Gruben bedeutend besser dokumentieren, als der „entwickelte“ Tischherd. Der Tischherd selbst hinterlässt kaum ausgrabbare Spuren und kann eigentlich nur durch den Rauchabzug darüber nachgewiesen werden, ist der Herd erst einmal abgebrochen.
Es stellt sich also die Frage, ob über die Formentwicklung der Töpfe in Wien ein vorsichtiger Rückschluss auf die „Herdlandschaft darunter“ möglich ist.
Gut erhaltene Materialkomplexe wie jener aus der Hernalser Hauptstraße 59−63 sind also nicht nur für die Rekonstruktion der formalen Entwicklung an sich unabdingbar, sie könnten darüber hinaus auch Anhaltspunkte für die Entwicklung der Küche, genauer gesagt der Herdform, bieten.

Die Topftypen

Bei den zahlenmäßig deutlich überwiegenden Topfformen, jenen mit einem Kremprand, ließen sich anhand der Gefäßkontur verschiedene Gruppen herausarbeiten.
KRE 1 (MV 105312/2) aus dem 14. Jahrhundert ist tendenziell noch etwas bauchiger und die Schulter des Topfes geht ohne markante Halsbildung in den Rand über. Der Kremprand selbst ist weder stark untergriffig noch deutlich verstärkt – Indizien, die eher dem späteren 14. Jahrhundert und dann dem 15. Jahrhundert zuzurechnen wären.
KRE 2 (MV 105278/1, MV 105304/5, MV 105264/3, MV 105264/1, MV 105304/7, MV 105312/11, MV 105264/4, MV 105297/1) – immer noch 14. Jahrhundert − ist zwar unverändert bauchig, umlaufende Rillen und Furchen betonen auch noch recht gerne, dass sich der größte Durchmesser in der Mitte des Gefäßes befindet, jetzt ist allerdings der Hals deutlich ausgeprägt und sogar recht lang.
KRE 3 (MV 105312/5, MV 105304/3, MV 105310/2, MV 105310/4, MV 105304/2, MV 105312/9, [MV 105310/6]) – bereits am Übergang 14./15. Jahrhundert − hat auch noch einen ausgeprägten Hals, der größte Durchmesser allerdings beginnt „hinauf zu rutschen“ und sich zu einer hervorgehobenen Schulterzone zu entwickeln. Das ganze Gefäß wirkt schlanker.
Bei KRE 4 (MV 105310/3, MV 105304/4, MV 105301/2, MV 105312/7, MV 105310/7, MV 105312/10, MV 105310/1, MV 105304/6, MV 105312/3, MV 105310/5, MV 105310/8, MV 105310/10, [MV 105312/12], MV 105312/14, MV 105264/2) setzt sich diese Tendenz fort, der größte Durchmesser findet sich im Bereich der Schulter, betonende Rillen und Riefen sind nun auch dorthin gewandert. Die Standfläche beginnt breiter zu werden, was den ganzen Topf etwas plumper, aber stabiler wirken lässt. Dieser Typ ist generell bereits dem 15. Jahrhundert zuzuordnen.
KRE 5 (MV 105312/4, MV 105282/3, MV 105301/3, MV 105312/8, MV 105270/1, MV 105281/1, MV 105310/9, MV 105242/2) – nicht nur entwickeltes 15. Jahrhundert sondern sogar schon am Übergang zum 16. Jahrhundert zu verorten − ist ein deutlicher Schritt hin zu einer zylindrischen Gefäßform, wie wir sie bei KRE 6 (MV 105301/1) und mehr noch bei KRE 7 (MV 105282/4) dann einwandfrei vorliegen haben.
KRE 8 (MV 105264/5, MV 105310/13), 15./16. Jahrhundert bzw. 16. Jahrhundert, ist dann nicht mehr rein zylindrisch, sondern ellipsoid, wobei der Randscheitel etwas nach innen gezogen wurde. Die Kremprandausbildung bei diesen Töpfen ist auffällig. Der Rand ist merklich verstärkt und ebenso wie bei KRE 7 nahezu ideal für das Anbringen von Töpfermarken – sehr oft gleich mehr als eine.

Typentafel Töpfe mit Kremprändern. Fundort:  Wien 17, Hernalser Hauptstraße 59−63. (Zeichnungen: Stadtarchäologie Wien/Christine Ranseder)

Die Leistenrandformen L 1−3 (MV 105282/2, MV 105312/1, MV 105282/1) sind leider nicht in ausreichendem Maße vertreten, um hier Aussagen zu ermöglichen.

Typentafel Töpfe mit Leistenrändern. Fundort: Wien 17, Hernalser Hauptstraße 59−63. (Zeichnungen: Stadtarchäologie Wien/Christine Ranseder)

Die Kragenrandtöpfe hingegen entstammen einer Zeit deutlich nach Umstellung von einer Kochstellenform auf die andere. Im 16. Jahrhundert muss man sich die Frage nach der Herdform sicherlich nicht mehr stellen.
Formal bewegen sich diese Töpfe zwischen sehr schlank und eher zylindrisch und schwach bauchig mit einer Verlagerung des größten Durchmessers unter die Gefäßmitte, was ihnen ein schwach glockenförmiges Aussehen verleiht.
Auch hier gilt, ähnlich wie beim Kremprand: Ist der Kragenrand einmal als vorherrschende Randform, vor allem bei oxidierend gebrannten und meist glasierten Topfformen, implementiert, verändert er sich graduell, bleibt aber in der Essenz erhalten.
KRA 1 (MV 105242/1)7 ist kaum untergriffig − eine Form, die schon an den Anfang des 16. Jahrhundert datiert werden kann. Ähnlich verhält es sich mit dem viel spitzer und untergriffiger ausgebildeten KRA 2 (MV 105260/2). Der „hakenförmige“ KRA 3 (MV 105252/1) dürfte schon dem 17. Jahrhundert angehören, wofür auch die umlaufenden, flächendeckend angebrachten Rillen auf dem Topf sprechen – die sich auch auf KRA 2 finden. Inwiefern diese Rillen wirklich für eine Datierung ins 17. Jahrhundert sprechen, ist immer noch nicht ganz klar, es spricht aber einiges dafür, dass diese Form der Oberflächenmodifikation (für besseren Halt, Oberflächenvergrößerung usw.?) am Ende des 16. Jahrhunderts aufkommt und nur bis an den Anfang des 18. Jahrhunderts in Verwendung bleibt – mit einem deutlichen Schwerpunkt im 17. Jahrhundert. In besonders großer Anzahl und mit eben dieser Datierung finden sich diese Töpfe mit verschiedensten Kragenrandformen vor allem im Fundkomplex Neunkirchner Tor.8

Typentafel Töpfe mit Kragenrändern. Fundort: Wien 17, Hernalser Hauptstraße 59−63. (Zeichnungen: Stadtarchäologie Wien/Christine Ranseder)

Zur Standfläche und zur Stellbarkeit

Geht man davon aus, dass es das Ziel gewesen sein dürfte, im Bedarfsfall möglichst viele Töpfe dicht gedrängt auf dem Herd rund ums Feuer unterzubringen, so ist bei diesem Kochgeschirr eine schlanke Silhouette gefragt.
KRE 3 wäre in diesem Sinne für den Tischherd schon einigermaßen geeignet gewesen, diese Entwicklung setzt sich bei KRE 4 und 5 dann deutlich fort.
KRE 6 und 7 dürften von ihren formalen Attributen her am besten geeignet gewesen sein, um auf einem Tischherd nebeneinander arrangiert zu werden, dasselbe gilt für alle Kragenrandformen im Material.

Behelfsmittel: Der Glutring

Auch wenn aus dem Material der Hernalser Hauptstraße selbst keine Fragmente von Glutringen vorliegen, so wurden doch schon etliche – zumeist nicht ganz genau datierbare Stücke von solchen − in Wien ergraben. 9

Fragment eines Glutrings aus der Schotterung des „Simmeringer Wegs“, Wien 10. (Fotos/Zeichnung: Stadtarchäologie Wien)

Inwiefern Glutringe, also dreibeinige Behelfe, in die sich der Topf einhängen ließ, in dieser Entwicklung eine Rolle spielten, ist eine andere Frage. Töpfe mit Beinen wurden bei uns nicht gefertigt, die mitgetöpferte Dreibeinlösung findet sich in Wien nur bei Pfannen.
Bedenkt man das Einhängen in einen Glutring bei der Formentwicklung mit, zeigt sich, dass die älteren Typen KRE 1 und 2 durch den betonteren Bauch recht hoch oben sitzen würden (möglicherweise eher instabil!), KRE 3 hängt schon tiefer und stabiler drin, ebenso 4 und 5. Bei KRE 6–8 käme einem das Benutzen eines Glutrings schon fast verschwenderisch vor, angesichts der deutlich verbreiterten, stabilen und zum „Hinstellen“ einladenden Standfläche.

Zur Herdentwicklung

Die Fixpunkte zur Herdentwicklung wären somit einfach. Das 12./13. Jahrhundert arbeitete mit Gruben, eine vollständige Umstellung auf den Tischherd könnte anhand der bildlichen Quellen aber auch von Topfformen wie KRE 6/KRE 7 ab 1400 und dann in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts angesetzt werden. Bewusst ist hier die Formulierung „vollständige Umstellung“ gewählt.
Die Bildquellen um 1400 herum zeigen die Küchen der besseren Gesellschaft, geben uns also keinen Hinweis, auf die Verbreitung des Tischherdes in den unteren Schichten.
Betrachtet man sich die graduelle Entwicklung der Töpfe, liegt es nahe zu spekulieren, dass sich hier auch eine schrittweise Verbreitung des Tischherdes in verschiedenen gesellschaftlichen Klassen widerspiegeln könnte.
Möglicherweise war es für einen Hafner im 14. Jahrhundert in Wien einfach noch nicht wirtschaftlich zufriedenstellend, nur auf die Tischherdbesitzer als Kunden zu setzen. Die Formen KRE 1 bis KRE 4 lassen sich mit einiger Vorsicht sicherlich für den Tischherd, ebenso wie für eine Herdgrube verwenden, wären somit funktionale Zwitter, die man allen Kunden anbieten könnte, unabhängig vom Entwicklungsstand ihrer Küche.
Das 14. Jahrhundert wäre somit als langsame Übergangszone zu sehen, in der beide Herdformen existierten, in den ärmeren Haushalten aber vielleicht sogar die grubenartige Feuerstelle überwog.

Becher

Formal im Prinzip kleine Töpfe zeichnen sich Becher durch ihre Handlichkeit und meist auch durch einen das Trinken erleichternden Rand aus. Im Falle der hier vorliegenden Stücke Typ 1 und Typ 2, hat Typ 1 einen so genannten gemündelten Rand. Diese Form des Randes ist bekannt von und wurde namengebend für eine zumeist bedeutend größere Form von Becher. Der typische Mündelbecher hat einen ausgeprägten Fuß und eine deutliche Schulter, im vorliegenden Material kommt zumindest ein aussagekräftiges Wandstück eines Mündebechers vor.10
Unser Typ 1 (MV 105304/1) erinnert an eine geschrumpfte Form des Mündelbechers.
Typ 2 (MV 105312/6) ist aus Wien bekannt, wurde ursprünglich durchaus eher ins 14. Jahrhundert gestellt und als Import aus Ungarn angesehen.11 Im Sommer 2019 wurden im Rahmen der Ausgrabung Werdertorgasse12 besonders viele Fragmente dieses Typs – vermutlich eher Produktionsabfall − ausgegraben. Das widerspricht weder der Datierung noch der Ansprache als Import grundsätzlich, es bedarf nur einer gewissen Weiterentwicklung dieser ersten Idee. Die Produktion hier schließt nicht aus, dass die Becher im 14. Jahrhundert aus Ungarn importiert wurden und in der Folge in Wien im 14./15. bzw. vermutlich 15. Jahrhundert kopiert wurden.

Typentafel Krüge. Fundort: Wien 17, Hernalser Hauptstraße 59−63. (Zeichnungen: Stadtarchäologie Wien/Christine Ranseder)

Krüge

K 1 (MV 105310/11) und K 2 (MV 105310/12) sind reduzierend gebrannte Krugformen des 14. bzw. 14./15. Jahrhunderts. K 3 (MV 105286/1) ist oxidierend gebrannt und glasiert. Der unvollständige Erhaltungszustand macht eine Einordnung schwieriger, aber vermutlich datiert dieser Krug entsprechend den anderen Exemplaren.

Typentafel Krüge. Fundort: Wien 17, Hernalser Hauptstraße 59−63. (Zeichnungen: Stadtarchäologie Wien/Christine Ranseder)

Deckel

Hier fallen vor allem die nahezu vollständig erhaltenen Hohldeckel D 2 (MV 105242/3), D 3 (MV 105242/4), und D 4 (MV 105242/5) auf, die alle schon dem 16. Jahrhundert, partiell auch noch dem Ende des 15. Jahrhunderts zugezählt werden können. Betrachtet man die Entwicklung des Hohldeckels, so ist hier im 16. Jahrhundert jene Ausgestaltung erreicht, die bis ins 18./19. Jahrhundert bestehen bleiben wird.

Die Anfänge des Hohldeckels im Hochmittelalter haben ein sehr lebhaftes, glockenförmiges Profil, das erst nach und nach immer mehr begradigt wird. Selbst an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert finden sich noch deutlich geschwungenere Ausformungen, als wir sie hier vor uns haben.13
Der Endpunkt der Entwicklung, so wie sie sich im archäologischen Fundmaterial zeigt, ist auf jeden Fall im 15./16. Jahrhundert einmal erreicht, wenn die Deckel eine einfache konische Form bekommen haben.

In einem Fall – D 1 (MV 105260/1) − liegt ein Steckdeckel vor. Steckdeckel kommen in unterschiedlicher Ausprägung seit dem 13. Jahrhundert in Wien vor14 und finden sich in Fayence auch noch im 18. Jahrhundert.15 Einen einfachen Steckdeckel aus Irdenware zu datieren, ist demnach nicht ganz einfach. Die Tatsache, dass die Form des Deckels im Großen und Ganzen der Form der Typen D 2−4 entspricht, könnte für eine Datierung ins 16. Jahrhundert sprechen.

Bemerkenswert sind die Kombinationen, in denen die Deckel vorliegen, und die sich durchaus auch auf die Datierung dieser an sich chronologisch eher unsensiblen Formen auswirken könnten.
D 2 wurde auf einem Topf mit Kragenrand KRA 1, 15./16. Jahrhundert, vermutlich eher 16. Jahrhundert – abhängig davon wieviel Altstück-Charakter man den zum Vergleich herangezogenen Funden vom Riederberg zugestehen will – gefunden. Selbst wenn der Deckel etwas älter sein sollte als der Topf, würde auch diese Zusammenstellung für eine Datierung des Deckels an den Übergang 15./16. Jahrhundert sprechen.
Der Steckdeckel D 1 ist mit dem Kragenrand Topf KRA 2 vergesellschaftet gewesen, ein Topf, der dem Übergang 16./17. Jahrhundert zugeordnet werden kann. Auch hier spricht also einiges dafür, den Deckel zumindest ins 16. Jahrhundert zu stellen.

Typentafel Deckel. Fundort: Wien 17, Hernalser Hauptstraße 59−63. (Zeichnungen: Stadtarchäologie Wien/Christine Ranseder)

Pfannen

Nur eine Pfanne P 1 (MV 105312/13) findet sich im vorliegenden Material und dabei handelt es sich vermutlich um ein Altstück aus dem 13./14. Jahrhundert.

Typentafel Pfannen. Fundort: Wien 17, Hernalser Hauptstraße 59−63. (Zeichnung: Stadtarchäologie Wien/Christine Ranseder)

 

  1. Wir werden diese Veränderung im 19. Jahrhundert noch einmal sehen, wenn auf den geschlossenen Sparherd mit Metallplatte umgesattelt wird und daraufhin die Topfform des Rutschers mit einer dünnen und extrem großen Standfläche zur optimalen Wärmenutzung entsteht. A. Kaltenberger, Gebrauchsspuren auf Keramik als Indikatoren des Wandels in der Kochtechnik. In: Mittelalterarchäologie in Österreich. Eine Bilanz, Beiträge der Tagung in Innsbruck und Hall in Tirol, 2. bis 6. Oktober 2012, Beiträge zur Mittelalterarchäologie in Österreich 29/2013,  S. 129–135, bes. S. 134.
  2. I. Gaisbauer, Ein Beitrag zu spätantiker und erster mittelalterlicher Besiedlung in Wien. Am Beispiel der Grabungsergebnisse in Wien 1, Tuchlauben 17, Beiträge zur Mittelalterarchäologie in Österreich 17/2001, S. 220−222.
  3. Z. B. Keramische Bodenfunde aus Wien. Mittelalter – Neuzeit, Wien o. J., S. 42 und S. 43 Kat.-Nr. 10 und 14 oder S. 48 Kat.-Nr. 24.
  4. A. Kaltenberger, Gebrauchsspuren auf Keramik als Indikatoren des Wandels in der Kochtechnik. In: Mittelalterarchäologie in Österreich. Eine Bilanz, Beiträge der Tagung in Innsbruck und Hall in Tirol, 2. bis 6. Oktober 2012, Beiträge zur Mittelalterarchäologie in Österreich 29/2013, S. 129–135, bes. S. 132.
  5. Z. B. Keramische Bodenfunde aus Wien. Mittelalter – Neuzeit, Wien o. J., S. 48 Kat.-Nr. 23 – höchst voluminös und schlecht auf einer Ebene anzuordnen.
  6. Z. B. Schottenmeister
  7. K. Bors/K. Krchnawy, Die Keramik des 1529 zerstörten Klosters St. Laurentio. Beiträge zur Mittelalterarchäologie in Österreich 1986, S. 59–72, Taf. 4/44 – 15./16. Jahrhundert.
  8. K. Kühtreiber, Die Funde der Ausgrabungen am Neunkirchner Tor in Wiener Neustadt, Carnuntum Jahrbuch 1999, Wien 2000, S. 148 (man kam mittlerweile überein, von Kragenrändern, nicht Karniesrändern zu sprechen, da es sich bei dem Karniesrand zwar um einen optisch ähnlichen, aber anders gefertigten Randtyp handelt).
  9. Z. B. M. Mosser et al., „… es ist ser ibler weg gewest …“ – Alte Wegeverbindungen südlich von Wien. In: I. Gaisbauer/M. Mosser (Bearb.), Straßen und Plätze. Ein archäologisch-historischer Streifzug, Monografien der Stadtarchäologie Wien 7, Wien 2013, S. 201–248, bes. Taf. 3 KE 37.
  10. I. Gaisbauer, Gebechert wurde immer!, Freigelegt. Der Blog der Stadtarchäologie Wien, 18.07.2018.
  11. Keramische Bodenfunde aus Wien. Mittelalter – Neuzeit, Wien o. J., S. 123 Kat.-Nr. 194 und S. 124 Kat.-Nr. 195.
  12. I. Gaisbauer, Ein keramisches Update für die Grabung Werdertorgasse, Freigelegt. Der Blog der Stadtarchäologie Wien, 29.01.2020.
  13. K. Adler-Wölfl et al., Zur Geschichte des Hauses Wien 17, Hernalser Hauptstraße 62 – Bauliche Überreste des Spätmittelalters und der Neuzeit, Fundort Wien 17, 2014, S. 22–78, bes. Taf. 2, KE 37 und auch noch in Ansätzen KE 39.
  14. Keramische Bodenfunde aus Wien. Mittelalter – Neuzeit, Wien o. J., S. 94 Kat.-Nr. 124.
  15. Keramische Bodenfunde aus Wien. Mittelalter – Neuzeit, Wien o. J., S. 204 Kat.-Nr. 397 oder auch bei Funden aus der Sensengasse: I. Gaisbauer, Gefäßkeramisches Material aus ausgewählten Befunden der Grabungen Wien 9, Sensengasse 1–3, Fundort Wien 12, 2009, S. 42–78, bes. Taf. 6/79.