Süßwaren-Nostalgie

Autorin: Verena Tiedtke

Der Kirstein Blockmalzmann, der hat’s mir angetan. Kennen Sie noch den Blockmalz-Mann und das zugehörige Lied? Auslöser für diese Süßwarennostalgie und summende Kolleginnen und Kollegen war eine Kirstein−Rahmblockmalz-Verpackung aus einer Leitungskünette am Fleischmarkt im 1. Bezirk. Neben Erinnerungen an die eigene Kindheit repräsentiert diese unscheinbare Verpackung auch ein Stück Wiener Unternehmenskultur.

Eine mit den Maßen 14,5 x 10,8 cm für heutige Verhältnisse relativ kleine Verpackung eines beliebten Zuckerls, gefunden in einer Künette am Fleischmarkt (Wien 1). Um die Mitte der 1970er Jahre aus Kunststoff gefertigt, hat sie die Jahre im Boden nahezu unbeschadet überstanden. (Foto: Stadtarchäologie Wien / Nikos Piperakis)

Der Konditor und Chocolatier Emil Kirstein gründete 1912 in Wien-Währing eine Blockmalzfabrik, in der er Zuckerl nach Familienrezept herstellte. Ab 1928 wechselte die Produktion in die Heiligenstädter Straße Nr. 50−52 in Döbling, wo bis zu 200 Mitarbeiter:innen Süßwaren produzierten.

Das auch auf der Verpackung gut zu erkennende, bewegte „Blockmalz-Männchen“ trat ab 1955 in Erscheinung. Diese beliebte Werbefigur ist das erste urheberrechtlich geschützte Markenzeichen Österreichs und wurde von Margit Doppler (geb. Kováts) entworfen.

1973 wurde die Firma an das Grazer Unternehmen Englhofer verkauft, welches bis 1997 Kirstein Rahmblockmalz vertrieb. Aus dieser Zeit stammt auch die am Fleischmarkt gefundene Verpackung – der Enkel des Firmengründers Wilhelm H. Kirstein konnte sie auf 1974 datieren.[1]

Falls Sie nun Appetit auf Zuckerl bekommen haben, eine gute Nachricht: Seit 2017 wird Kirstein Blockmalz wieder produziert und auch in Wien z. B. in der Confiserie „Zum süßen Eck“ verkauft.

[1] Wir danken Herrn Wilhelm Kirstein für die Hilfe bei der Datierung des Fundes.