Das Tier ohne Hinterteil

Autorin: Christine Ranseder

Als wir das Fragment eines kleinen tönernen Tierchens in einem Fundsackerl entdeckten, waren wir uns einig: Das putzige Kerlchen sieht wie ein Seehund aus, der gerade „Örf“ sagt, um einen Fisch zu erbetteln. Das kann natürlich nicht sein, denn im Mittelalter waren Seehunde in Wien unbekannt. Es dürfte sich also um ein vertrauteres Tier handeln. Raten Sie mit!

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Vom Blei zu Gold, vom Hühnerei zur güldnen Eierspeis – „transmutatio delectans“ in der einen wie der anderen Küche!

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Manchmal sind Funde einfach heiß! Im wahrsten Sinn des Wortes heiß genug, um sich die Finger zu verbrennen. Derzeit sitzen wir gerade an einer Schnellsichtung eines alten Materials. Sichten, Umnummerieren, Umpacken – an sich nicht so prickelnd. Aber das Material hat es in sich. In den mittleren 90er Jahren am Judenplatz aus dem Boden geholt, als man das Shoah Mahnmahl baute, findet sich hier so einiges aus dem hoch- und spätmittelalterlichen Wien. Die Hasenöhrchen haben Ihnen ja schon die Osterfeiertage versüßt.
Diesmal fielen uns zwei Stücke in die Hände, die unterschiedlicher kaum sein können. Das eine, zylindrisch, massiv, etwas plump, aus Graphitkeramik, das andere feiner im Zuschnitt, von schwierig zu beschreibender Form, geringer Wandstärke und glasiert. Und doch teilen sie sich eine starke Affinität zum Feuer. Wohl handelt es sich in dem einen Fall ums Kochfeuer, in dem anderen Fall – Sie werden sehen!

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Nicht an den Ohren ziehen!

Autorin: Christine Ranseder

Denn  das mögen Hasen gar nicht. Bei unseren Hasenköpfchen, gefunden am Judenplatz, wird das auch schwer gehen, handelt es sich doch um Ausgüsse von Bügelkannen. Das Schnäuzchen gewischt hat man ihnen vielleicht,  allerdings sicher nicht, um die letzten Tropfen Eierlikör aufzufangen. Ja, Ostern steht bevor. Da liegen Hasen und Eier nahe, wenngleich erstere keine Eier legen, diese aber, will man dem Brauchtum folgen, sehr wohl verstecken. Der Osterhase wird übrigens erstmals in einer Druckschrift aus dem Jahr 1682 erwähnt.

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Maßwerkfieber

Autorin: Christine Ranseder

Filigrane geometrische Muster in Durchbruchsarbeit, das so genannte Maßwerk, waren in der Gotik des Handwerkers liebste Zier. In der Architektur spielte Maßwerk eine bedeutende Rolle bei der Gestaltung von Fenstern – nicht nur als Schmuck, sondern auch als konstruktionstechnisches Hilfsmittel, um das Fensterglas zu halten und dem Winddruck zu trotzen. Doch weil es so schön ist und dem damaligen Zeitgeschmack entsprach, kam es auch für Altäre, Möbel, Schmuck und Kachelöfen zum Einsatz. Fall Sie noch immer rätseln: Das eigenartige Ding auf dem Foto ist ein Bruchstück von einer Ofenkachel mit bescheidenem Maßwerk.

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Graphit – eindeutig zum „guten Ton“ gehörend …

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Was können ein Topf und ein Ziegel gemeinsam haben, außer dass es sich bei beiden im weiteren Sinne um Produkte aus gebranntem Ton handelt? Wenig, außer sie wurden mit demselben speziellen Hintergedanken gefertigt: Hitzebeständigkeit!

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Gebechert wurde immer!

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Da soll noch einmal jemand sagen, dass Archäologen nicht am Pulsschlag des täglichen Lebens arbeiten! Gut, ich gebe zu, „unser“ tägliches Leben ist manchmal schon ein paar Jahrhunderte alt, aber dafür oft umso „alltäglicher“. Ein Beispiel gefällig?

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Es muss nicht immer „bodenfrisch“ sein!

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

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Nicht immer sind es die neuen, „bodenfrischen“ Funde, mit denen man sich in der Hoffnung auf Antworten auseinandersetzt. In Städten sind Not-/Rettungsgrabungen nun einmal die Regel, was oft dazu führt, dass man lange wartet, bis ein Areal, das möglicherweise Fragen beantworten kann, (wieder) in Angriff genommen wird. Die Alternative dazu ist es dann manchmal „tiefer“ in der Vergangenheit, soll heißen den Altgrabungsbeständen, zu suchen und sich bereits bekannte Funde unter neuen Gesichtspunkten anzusehen.

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