Vom Hohen Markt bis zum Bauernmarkt – epochales Ende trifft auf hoffnungsvollen Neuanfang

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Die Idee vom Berghof als erste Keimzelle der mittelalterlichen Siedlung wurde in den letzten Jahren dank intensiver archäologischer und historischer Arbeit wieder zu dem, was sie ursprünglich war: eine urbane Legende. Nichtsdestotrotz wird die Nordost-Ecke bzw. die Nordseite des ehemaligen römischen Legionslagers immer noch gerne als Bereich des vorbabenbergischen mittelalterlichen Neubeginns gesehen. Immerhin stammt vom Ruprechtsplatz eine gewisse Menge frühhochmittelalterlicher Keramik.

Spätantike glasierte Reibschüssel vom Hohen Markt. (Foto: Stadtarchäologie Wien / Nikolaos Piperakis)

Tatsächlich gibt es aber andere Bereiche im verlassenen Legionslager von Vindobona, an denen Schichtabfolge und Überreste materieller Kultur weit deutlicher den Zusammenstoß zwischen Römerzeit und Mittelalter zeigen.

Das Areal vom Hohen Markt nach Süden über den Wildpretmarkt bis zum Bauernmarkt zeichnet sich nicht nur durch Überreste der spätantiken Festungsstadt und gelegentlich etwas mysteriöse Spuren des 10. Jahrhunderts aus. Hier finden sich auch erste Anzeichen jener Siedler, die gekommen waren, um zu bleiben – und damit den Grundstein für Wien als mittelalterliche Stadt legten.

Frühhochmittelalterliche Bestattung vom Hohen Markt. (Foto: Stadtarchäologie Wien)

Unsere neue Führung wird sich folglich mit der Entstehung des Hohen Marktes über, mit und als Gegenbewegung zu den Resten des römischen Bades und der Tribunenhäuser auseinandersetzen. Gleich danach wird es im Licht von erstaunlich vielen Talglampen (nicht Öllämpchen) um die hochmittelalterlichen Spuren in der Landskrongasse und am Wildpretmarkt bis hin zum Bauernmarkt gehen.

Lampenfragment vom Wildpretmarkt, 11./12. Jahrhundert. (Foto: Stadtarchäologie Wien / Nikolaos Piperakis)

Zwischen der Spätantike und dem besiedlungstechnisch soliden Hochmittelalter werden wir uns natürlich auch mit den „Toten vom Hohen Markt“, Skeletten und Skelettteilen aus dem etwas „schlechter beleuchteten“ 10. Jahrhundert, auseinandersetzen. Denn was wäre eine „Stadtarchäologie aktuell“-Führung ohne offene Fragen und Ansporn für weitere Forschung?

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