Das hohe „C“ der Keramik – Ein Workshop über Graphit-/Grafitkeramik des 9.−11. Jahrhunderts

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Nicht nur bei der Aufnahme keramischen Fundmaterials wird Graphit oder auch Grafit – beide Schreibweisen sind möglich – zumeist als „Gr“ abgekürzt angegeben. Auch im mineralogischen Zusammenhang oder zum Beispiel in einer Kartierung der österreichischen GeoSphere.

Das „C“ wiederum, ist das chemische Elementsymbol für Kohlenstoff und um nichts anderes handelt es sich bei Graphit nun einmal. So einfach und klar der chemische Hintergrund in diesem Fall auch sein mag, die archäologischen und historischen Fragestellungen sind komplex und vielfältig. Ein Workshop zu diesem Thema sollte helfen, den Status Quo des Wissensstandes darzustellen und wenn möglich neue Strategien für weitere Forschung zu definieren.

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Von Vorstädten in Frieden und Krieg – Teil 1

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Detail aus dem Albertinischen Plan, nach einer Vorlage von ca. 1421/22. (Wien Museum)

„Vorstädtisch“ … das ist – höflich ausgedrückt – eine sehr flexible, um nicht zu sagen schwammige Bezeichnung, und wirft eine Menge Fragen auf. Die erste und drängendste davon ist vermutlich, welche Version von Wien zu welcher Zeit überhaupt als historischer Referenzbereich herangezogen wird. Wie muss die Stadt beschaffen, wie weit entwickelt sein, dass man mit Fug und Recht überhaupt einen Bereich „vor der Stadt“ zu differenzieren in der Lage ist? Mit dieser kleinen gebietstechnischen Definition gilt es sich zuerst auseinanderzusetzen, ehe man sich mit der Exponiertheit, dem Mangel an Schutz für eben diese Vorstädte gerade in kriegerischen Zeiten zu beschäftigen vermag.

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„… die Chappellen die da leit in sant Stephans Vreythof…“ oder: die Virgilkapelle ganz persönlich.

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Ob sie es glauben oder nicht, auch Archäolog:innen haben „Lieblinge“, „Favoriten“ und die Motive für diese Vorlieben sind vielfältig und durchaus nicht immer nur streng wissenschaftlich begründet. Nun ist kaum etwas einfacher, als eine Faszination für die Virgilkapelle zu entwickeln, kaum etwas naheliegender, als das Teilen dieser kleinen Obsession in einer Führung anzubieten. Also? Darf ich sie bitten, mir hinunterzufolgen?

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Umweltfreundliches Essgerät

Autorin: Christine Ranseder

Besitzen Sie auch einen Salzlöffel oder ein Salatbesteck aus Holz? Oder haben Sie vielleicht schon selbst einen Löffel geschnitzt? Holz ist ein wunderbares Material, das sich leider im Boden nur unter besonderen, günstigen Bedingungen erhält. Unbrauchbar gewordene Holzlöffel dienten darüber hinaus auch als Brennmaterial. Doch wir hatten Glück! In der Werdertorgasse 6 kamen gleich dreizehn, mehr oder weniger vollständig erhaltene Esslöffel aus dem Spätmittelalter zu Tage.

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Die Gürteltasche mit zwei Schlaufen: ein Dauerbrenner

Autorin: Christine Ranseder

Als treuer Begleiter und unverzichtbares Behältnis für Dies und Das ist die mit zwei Schlaufen am Gürtel befestigte Ledertasche kaum zu übertreffen. Kein Wunder also, dass das Männern vorbehaltene Modell eine lange Laufzeit vom 14. bis ins 17. Jahrhundert aufwies. Auch im spätmittelalterlichen Wien wurden diese Gürteltaschen getragen, wie ein Fund aus der Werdertorgasse 6 (Wien 1) belegt.

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Archäologische Beinarbeit

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Frei nach Franz Grillparzers „König Ottokar“ − „Noch mehr der Kronen?“ −  und umgelegt auf stadtarchäologische Belange: „Noch mehr der Toten!“
Gerade erst wurden wir mit Teilen des (früh)hochmittelalterlichen Friedhofs von St. Peter konfrontiert, da stellt der Michaelerplatz einiges an „Totenackerernte“ in Aussicht!

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Eine Formhilfe für die süße Versuchung

Autorin: Christine Ranseder

Zu feierlichen Anlässen gehören meist auch besondere Leckereien. Was wäre Weihnachten ohne Kekse, Geburtstage und Hochzeiten ohne Torte? Nicht nur der Geschmack, sondern auch das Aussehen von Festtagsspeisen soll Freude bringen und im Gedächtnis bleiben. Um dieses Ziel zu erreichen, gab und gibt es Hilfsmittel. Wir haben eines davon am Frankhplatz (Wien 9) gefunden.

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Eine große Katze! Aber welche?

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

Fragmente besonders repräsentativer Keramik, im Speziellen von Aquamanilen sind selten. Findet sich doch einmal eines, ist das Grund genug, es vorzustellen. Aus dem Material der Ausgrabung Hanuschgasse 3 stammt ein Fragment eines solchen Gefäßes für Handwaschungen, aber auch wenn die Verwendung des Stückes recht klar sein dürfte, ist die Gestalt ein wenig rätselhaft.

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Mittelalterliche Baumaterialbeschaffung und ein Kochtopf – eine unschlagbare Kombination!

Autorin: Ingeborg Gaisbauer

GrabungsleiterInnen haben sich mit einer Menge Mühsal herumzuschlagen, von Zeitdruck bis zu schlechtem Wetter, aber neben diesen offensichtlichen Problemen gibt es auch noch andere Ärgernisse, die dann mit den entsprechenden FundbearbeiterInnenn geteilt werden. Verbunden in Not und Elend, könnte man sagen.
Mein absoluter „Favorit“? Der essenzielle Befund, die alles entscheidende Schicht ist zwar nicht fundlos, aber die drei erbeuteten Keramikkrümel in Daumennagelgröße lassen sich auch mit ausgeklügelten Verhörmethoden nicht zu einem chronologischen Geständnis motivieren.
Fast noch frustrierender, zumeist für Projekt-/GrabungsleiterInnen? Der Befund enthält eine Menge Keramik (wieder zumeist in Daumennagelgröße), die für sich selbst eine chronologische Einordnung zulässt, aber so oft verlagert wurde, dass diese Datierung nicht oder nur mit einiger Umrechnung auf den Befund übertragen werden darf.
Natürlich gibt es dann aber auch diese besonderen Momente, die solche Frustrationsszenarien aufwiegen …

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Der Schuh des kleinen Reißteufels

Autorin: Christine Ranseder

Schuhe sind etwas sehr Persönliches. Sie verraten einiges über Vorlieben, Modebewusstsein und gesellschaftlichen Stand. Dafür muss man nicht gleich einen Schuhtick haben oder dem Schuhfetischismus frönen. Selbst auf die Beschaffenheit unseres Körpers lassen Schuhe schließen, denn sie nehmen die Form des Fußes an. Sowohl unsere Gangart als auch Fehlstellungen der Zehen − vom Hallux bis zur Hammerzehe − hinterlassen Spuren. Das können Beulen und Löcher im Oberleder, abgeriebene Stellen oder verzogene Nähte sein. Schuhe schützen unsere Füße. Sie können aber auch quälen − dennoch will die Fußbekleidung gepflegt und sorgsam behandelt werden. Und damit wären wir auch schon bei unserem Fund aus der Werdertorgasse 6.

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